Das Baumcamp am Günthersburgpark in Frankfurt

Am Dienstag, den 30. 3. 2021 war es so weit. Schon länger pfiffen es die Spatzen von den Dächern der Schrebergartenbuden, das in der „Grünen Lunge“ was im Busch ist. An diesem späten Märztag wurde die Besetzung des Wilde-Gärten-Areals öffentlich gemacht.

Es gab eine Pressekonferenz im Danni-Stil mit einem Frontbanner „Wir sind Grün- was seid ihr?“. Wer hier im Blog tiefschürfend forscht, wird es dort wiederfinden – es war schon mal da, und zwar als Banner der Waldbesetzung Kelsterbach beim Grünen-Landesparteitag im November 2008, als es um die Ypsilanti-Koalition und auch um die Zukunft des Camps ging.
Es gab auch eine Klettereinlage für die FotografInnen -mit dabei ein Transpi „Wilde Gärten statt lebloser Luxus“

Mit den zwei Bannern ist eigentlich schon so ziemlich umrissen, worum es bei der Besetzung geht.

Einerseits um den Erhalt des 15 Hektar grossen urwüchsigen Gartenareals, das den sogenannten Günthersburghöfen weichen soll. Darüber gab es, als das Projekt in die erste heisse Phase ging, hier schon mal einen Blogbeitrag.
Zum anderen geht es um eine Zukunftsperspektive „Wohnen in der Stadt“. Es wird gefordert, nur noch kommunal geförderten Wohnungsbau in Frankfurt zu betreiben – um der Bevölkerungsmehrheit unter die Arme zu greifen, welche Anspruch auf geförderten Mietwohnungsbau hat. Es sollen keine privat finanzierten Wohnungen mehr entstehen, weil die zu einer weiteren Verdrängung derer führen würden, die sich das nicht leisten können.

Die Grünen als Wahlgewinner sollen ihr Wahlversprechen, nur eine Randbebauung des Areals unter sozialpolitischen und umweltpolitischen Vorgaben einlösen. Und das nur dort, wo bereits versiegelt ist. Die Grünen sollen beweisen, wie grün sie sind. Viele WahlbeobachterInnen vermuten, dass der Streit um die Bebauung der „Grünen Lunge“ dafür ausschlaggebend war, dass die Grünen und nicht die CDU stärkste Partei geworden sind.

Jetzt also eine Besetzung, was hat mensch sich darunter vorzustellen ?

Nun, ein riesiges Areal mit vielen Gärten und kleinen Wegen. Es ist nicht genau festzustellen, was jetzt hier besetzt ist und was normal oder toleliert bewirtschaftet.

Das hängt mit der Hängepartie zusammen, in der sich das Gelände befindet. Es gibt hier unterschiedliche Besitzer, Vereine und Pächter. Ein wichtiger Besitzer war und ist der Beamtenwohnunsverein, dem grössere Flächen gehören und der mit dem Investor Instone einen Deal gemacht hat: Wir kündigen unseren Pächtern, übergeben euch das Gelände „besenrein“ und bekommen dafür ein Kontigent genossenschaftlicher Neuwohnungen.

Auf vielen dieser geräumten Grundstücke sind jetzt einzelne Strukturen. Andere Beamtenvereins-Grundstücke sind von alten oder neuen Pächtern belegt, die nachgerückt sind, weil sich nach der Räumung nichts tat. Die sind nicht so wahnsinnig glücklich über eine politische Besetzung und wollen lieber im Verborgenen sein.
Dann gibt es noch andere Gruppen, die sich in der offiziellen Bürgerinitiative organisieren oder mit ihr sympathisieren. Es gibt ein Projekt für Obdachlose und den Verein „Gemüseheldinnen“! welcher den StädterInnen per Permakultur den Selbstanbau von Gemüse und Obst schmackhaft machen will. Und den Abenteuerspielplatz – aber die Sozialistische Jugend „Die Falken“ ist SPD-nah, und die Sozis sind mit ihrem (alten) Planungsdezernent Mike Josef in Sachen Bebauung recht wankelmütig.

Wer auf diesem Gelände etwas rocken will -gerade als politische Besetzung- muss sich also mit vielen Leuten arrangieren. Wer durch das Gelände geht, steht plötzlich vor irgendwelchen Leuten, die es sich in drei Meter Abstand auf ihrer Parzelle schön machen. Also ist gute NachbarInnenschaft sehr, sehr wichtig.

Offiziell heisst es, zehn Baumhäuser wären im Bau. Dem ist nicht so. Letztlich sind es zehn Plattformen, und nur auf zwei, drei von ihnen sind „richtige“ Baumhäuser entstanden oder bereits im Entstehen. Gewohnt wird ohnehin „drunten und drüber“ – in einer Schrebergartensiedlung bietet sich das Wohnen in Hütten auch geradezu an. Und: Die meisten Bäume verkraften keine wirklich schweren Baumhäuser.

Allerdings sind die Plattformen im zentralen Bereich alle mit Seilen und Walkways verbunden. Ein Hüttchen ist schnell geräumt, eine ausgerüstete Plattform nicht. Die meisten Strukturen befinden sich in einem schlauchartigen, besonders wilden Areal , das sich von einem Weg westlich des Abenteuerspielplatzes bis zur nördlichen Randzone zieht.
Wer nach dem „Quartiersplatz“ der Besetzung sucht, muss sich an der grünen Fahne orientieren, welche auf einer grossen Fichte weht. Nebenan stehen zwei weitere grosse Fichten- abgestorben wegen Borkenkäferbefall. Hier geht es nicht mehr in die Höhe. Dafür steht direkt daneben der neue Tower. Er wird -einmal fertiggestellt- drei Etagen haben. Im unteren, offenen Bereich ist bereits das Info-Zentrum eingerichtet. Nebenan ist eine überdachte Bühne , ein Umsonstladen und etwas abseits eine Komposttoilette. Alles wirkt sehr unfertig – es gibt viele Möglichkeiten, sich hier einzubringen und „blühende Landschaften“ zu schaffen. Vielleicht wird dann ja aus dem Tower ein „Flower Tower“…..Es gibt schon heute viele kreative bunte Sachen und Kunstwerke zu entdecken.

Wie ankommen ? Das Areal befindet sich, für die grobe Suche, nordöstlich der (früher so genannten) Fachhochschule, jetzt UAS Frankfurt. Dort fährt auf der Friedberger die 18 und der 30erBus. (Station Wasserpark) Und wie hinkommen ? Suchen und Fragen. Jedoch kennen viele, auch regelmässige , BesucherInnen der Gartenanlage ,die Besetzung gar nicht. Bisher war da auch viel eigene Zurückhaltung. Schliesslich war -gerade während der Besetzung im Danni- unklar, ob es möglich wäre eine Dauerpräsenz personell zu stemmen.
Jetzt aber soll politisch Druck gemacht werden, um Projektentwickler Instone – übrigens kein kleines Licht in der Branche- von dem für sie finanziell lukrativen Ort wegzugraulen.
Von der Seite gegenüber dem Wasserpark gibt es ein unscheinbarer Törchen – immer geradeaus und irgendwann rechts. Besser und anwohnerInnenfreundlicher ist der Zugang über den Abenteuerspielplatz – am Haupteingang vorbei und bald danach rechts in die grüne Höhle.


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