Heusenstammer KommunalpolitikerInnen gegen Hessenforst

Die Kommune Heusenstamm im Kreis Offenbach liegt in einem einst geschlossenen Waldgürtel. Dessen Zustand ist dramatisch. Viele BürgerInnen fragen sich, warum das so ist und was sich dagegen tun lässt. Je mehr sie sich sachkundig machten, um so kritischer wurde ihre Einstellung gegenüber Hessenforst, hier präsent über das Forstamt Langen. Inzwischen ist dies in eine kommunalpolitische Initiative gemündet, welche eine Waldsatzung für Heusenstamm erarbeiten soll. Das vorbei an Hessenforst. Dem Landesbetrieb wird „unsachgemässe Bewirtschaftung“ vorgeworfen.

Nach dem Trockensommer 2019 ergriffen AnwohnerInnen die Initiative und organisierten eine „kritische Waldbegehung“. Dies mündete in einer Anfrage der Freien Wähler an das Forstamt Langen. Es ist schon bezeichnend, dass dies nicht über die Grünen erfolgte – diese stellen ja die Dienstherrin der Forstbehörde.

Dieses Frühjahr gab es eine neuerliche Waldbegehung – ausdrücklich nicht mit Hessenforst, sondern mit dem unabhängigen Forstwissenschaftler Martin Bertram.
Die Kritikpunkte am Umgang mit dem Wald waren laut einer Zusammenfassung der Offenbach-Post:

- Überzogenes Ausmass der Holzarbeiten
-Einsatz schwerer Harvester, welche den Boden verdichten und Jungbäume schädigen
-die Rückegassen liegen zu nah beieinander
-Arbeiten während der beginnenden Brut- und Setzzeit

Das Forstamt entgegnete der Kritik, alle Regeln würden eingehalten, auch die Abstände bei den Rückegassen.

Dazu ist zu sagen , dass in früheren Jahren keine Durchforstung im Greifarmabstand der Harvester stattgefunden hat.

Das Forstamt sagt, man würde die Rückegassen mit Astwerk polstern und die Ballonräder der Harvester würden -trotz der Abdrücke- das Gewicht der Fahrzeuge auf dem Waldboden „besser verteilen“ Mit einem Harvester liesse sich bestandsschonender arbeiten und die Fällrichtung besser bestimmen.

Fakt ist aber: Die Zeiten, wo das Forstamt eigene Waldarbeiter hatte, die „männisch“ mit ihrer Stihl einzelne Bäume fällten, sind lange vorbei.
Heute werden Fachfirmen eingekauft, die aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und auch der Arbeitssicherheit voll auf den -umweltschädlichen- Roundup- Harvestereinsatz setzen.

Ständig beteuert das Forstamt, es würde keine gesunden Bäume mehr fällen, nicht einmal mehr Bäume, die noch mindestens zwei Jahre Lebenszeit vor sich hätten. Der Leiter des Forstamtes Langen , Melvin Mika, in einem Offenbach-Post Interview:
„Alle Bäume, die eine Chance haben weiterzuleben, und sei es auch nur für ein bis zwei Jahre, bleiben stehen“

Ob das für Heusenstamm so stimmt ? Zumindest in vielen anderen Waldbereichen, wo Hessenforst wirtschaftet, passieren nach wie vor massiv Wirtschaftsfällungen von Wertholz. Das sagt der Langener Forstamtsleiter auch selber.

Es sollte politisches Ziel sein, Hessenforst hier in der Region eine Bewirtschaftungsform aufzuerlegen, als handele sich um einen wilden Wald mit öffentlichem Zugang. Das Forstamt sollte prinzipiell keine grossen Bäume mehr fällen, die (noch) nicht tot sind oder aus Verkehrssicherheitsgründen weg müssen.

Jetzt soll in Heusenstamm eine Waldsatzung unter Hilfestellung von Fachleuten erstellt werden. Dafür setzt sich auch der Bürgermeister ein. Das Forstamt Langen wurde dazu nicht eingeladen.
Der aus der Kommunalpolitik kommende Vorwurf der „unsachgemässen Bewirtschaftung“ wurmt Forstamtsleiter Mika. Den Verdruss auf das Forstamt kann er aber mit Aussagen, etwa wie „die Harvester haben dicke Reifen, um die Bodenverdichtung zu senken“, nicht mehr beseitigen. Denn die Bodenverdichtung und die Auflichtung des Waldes ist Fakt, trotz der dicken Räder. Solche Maschinen haben in einem Naturwald nichts verloren.
Seit Jahrzehnten -spätestens seit der Regierungsübernahme von Roland Koch- wurden ökologische Belange unter die ökonomischen gestellt. Daran hat sich auch unter den Grünen im Prinzip nichts geändert. Ein Beobachter: „Die Förster haben immer noch Dollarzeichen in den Augen, wenn sie einen Baum anschauen“

Allerdings muss sich auch die Kommunalpolitik an die eigene Nase fassen : Ständige Nachverdichtungen, Neubaugebiete , Verteilzentren und neue Verkehrstrassen strapazieren durch Versiegelung und Aufheizung den Wald. Wenn das nicht gestoppt und zurückgedreht wird, hat auch neu angepflanzter Wald keine Chance, selbst wenn die FörsterInnen wirklich grün werden.


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