München: Kiesabbau geht vielen auf den Geist

Im Südwesten Münchens soll eine Kiesgrube erweitert werden – im 800 Hektar grossen Forst Kasten ,einem Naherholungsgebiet der MünchnerInnen. Betreiber dieser Pläne ist die Heiliggeistspitalstiftung. Es gibt sie seit 800 Jahren und ihr Hauptkapital ist der Stiftungswald. Den tun sie nach und nach versilbern, 40 Hektar sind bereits , wie mensch in Bayern sagt, verkiest. Im Stiftungsrat sitzen KommunalpolitikerInnen, und die haben im Sozialausschuss -praktisch in eigener Sache- jetzt grünes Licht für eine neue Auskiesung gegeben. Dagegen regt sich massiver Widerstand. Es kam bereits zu zwei grösseren Besetzungsaktionen.

Diese wurden von der Polizei unmittelbar im Ansatz unterbunden beziehungswiese letzten Donnerstag nach zwei Tagen auf Geheiss des Landratsamtes durch die Polizei geräumt. Die Besetzis, eine Kerngruppe von 10 Leuten, welche ein Umfeld von weiteren 20 Leuten hat und weiter wächst, haben sich auf eine angemeldete Mahnwache zurückgezogen, die seit dem 18 Mai besteht. Sie wollen den PolitikerInnen klar machen:

„Wenn ihr Angst davor habt, persönlich oder als Gremium in Regress genommen zu werden, wenn ihr nicht im Stiftungsauftrag handelt, dann solltet ihr lieber Angst vor uns haben. Denn unser Widerstand kann Euch mehr Euros kosten als die Stiftung jemals einfordern darf“

Was die mildtätige Stiftung öffentlich verbreitet, liest sich wie eine Bewusstseinsspaltung. Die aktuellen 9,5 Hektar Wald müsse man zur Ausbeutung an die Firma Gebr. Huber Bodenrecycling aus sozialen Gründen in „ökologischer Verantwortung“ verkaufen. So die Stiftung in einem Statement

Finanzieren will sie aus dem Erlös den Ausbau und Betrieb eines Altenheims.

Der gegenwärtige Bauboom rund um München hat den Kiesabbau hochprofitabel gemacht. So hatte sich neben der Firma Huber auch noch eine andere Firma um den Zuschlag beworben, die aber weniger Glück hatte: Die Firma Bernhard Glück aus Gräfeling. Sie unterstellt ein unsauberes Vergabeverfahren und hat eine Rechtsaufsichtsbeschwerde eingelegt. Alternativ wäre sie auch einverstanden, wenn sie ebenfalls in dem kiesträchtigen Urstromtal zwischen Würm und Isar zum Baggern kommen könnte: Sie hat die Auskiesung von 12,5 Hektar Grünland im nahegelegenen Lochhammer Schlag beantragt.

Das betroffene Gebiet im Forst Kasten liegt zwischen Neuried und Gauting. Die Proteste gehen jetzt schon über drei Wochen. Der Protest im Wald ist momentan bis Ende Juni angemeldet. Er soll nach dem Willen der Aktivistis, die mit dem Wald auch die Klimaziele der Regierung verteidigen wollen, so lange gehen, bis die Rodung abgeblasen ist – notfalls über Wochen und Monate. Sollte es zur Rodung der ca. 10000 Bäume kommen, soll ziviler Ungehorsam geleistet werden.
Am Dienstag, den 8.6, kam es abends zu einer Installation von zwei Plattformen in einem Stück Fichten-Buchen-Mischwald. Der Wald ist als Bannwald ausgewiesen, jedoch über das Bergrecht als Vorranggebiet für den Kiesabbau aus dem Schutz herausgenommen worden. Das ähnelt der Situation in Langen.

Über den Mittwoch war die Polizei mit 30 BeamtInnen präsent, griff aber wegen ausstehender Direktiven aus dem Landratsamt zunächst nicht ein. Die kamen im Lauf des Tages, und die Polizei wählte aus taktischen Gründen den Donnerstagmorgen ab 5 Uhr für die Räumung der Plattformen. Die Besetzis zogen sich im Lauf des Vormittags dann auf die Mahnwache zurück.

Unmittelbar gerodet werden kann noch nicht, vermutlich auch noch nicht ab September. Die Kiesfirma muss erst noch einen Genehmigungsantrag beim Landratsamt in München stellen, der eventuell beklagt werden kann. Unklar ist das Verhalten der Münchner Grünen in der Sache. Auf sie soll Druck gemacht werden, damit nicht nur Linke und ÖDP den Protest im Stadtrat gegen die „Wildtätigen StiftungspolitikerInnen“ tragen.

Aktualisierung 25.6. :

In Bayern wird bei Kooperationsverweigerung eine sehr harte Linie gefahren. Dabei müssen auch Bagatellen und konstruierte Vorwürfe herhalten, um die Renitenz zu brechen und zivilen Ungehorsam einzudämmen. Ein neuerlicher Besetzungsversuch endete mit einer schnellen Räumung. Der Aktivist „Frettchen“ kam für den Vorwurf der Beleidigung in U -Haft.
Siehe hier.

Das hier ist die Website der Besetzung.


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