Interessengemeinschaft gegen Fluglärm hat sich aufgelöst

Auf ihrer Mitgliederversammlung im Juni hat sich die IGF nach 57 Jahren aufgelöst. Sie war eine der ersten modernen Umwelt-Bürgerinitiativen in Deutschland und hat massgeblich zum erwachenden Umweltbewusstsein der 1970er Jahre und dren Folgeauseinandersetzungen beigetragen.

Entstanden ist die IGF Rhein Main 1965 in Mörfelden. Ihre Gründung geht auf eine politische Initiative des protestantischen Mörfelder Ortspfarrers Kurt Oeser zurück. Dieser schrieb, als erste Pläne für einen Ausbau des Flughafens im Süden bekannt wurden, einen offenen Brief an den Ministerpräsidenten Georg August Zinn. Darin äusserte er die Sorge, die Lebensqualität der Menschen im Rhein Main Gebiet könnte durch die Zunahme des Luftverkehrs massiv leiden.

Der IGF ging es stets um zwei Ziele: Einerseits die Reduzierung der konkreten Emissionsquellen, vor alle des Nachtfluglärms.
Und zum anderen um eine Bekämpfung der Ausbaupläne, welche unweigerlich zu neuen Belastungen führen.

Die IGF war in ihrer Anfangszeit eine echte Volksbürgerinitiative mit bis zu 10.000 Mitgliedern. Sie nahm Einfluss auf die Bildung und die Arbeit von Fluglärmkommissionen, die nach dem Runder-Tisch-Prinzip arbeiteten.

1967 gelang es Kurt Oeser, die Arbeit mit der Gründung der „Bundesvereinigung gegen den Fluglärm“ auf eine nationale Basis auszuweiten.

Wichtigster Gegenspieler der IGF war stets das Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Das hat vorbehaltlos die Interessen der Wirtschaft umgesetzt. Insbesondere die kompromisslose Haltung des FDP-Ministers Heinz Herbert Karry hat viel zur Eskalation des Flughafenkonflikts ab den 70ern beigetragen.

Die IGF war ein Interessenverband, der Oeffentlichkeitsarbeit, vor allem aber Gremienarbeit betrieb. So verwundert es nicht, dass sich in der zweiten Hälfte der 70er parallel eine Bürgerinitiative gegen die Flughafenerweiterung bildete, welche mit direkter Aktion Einfluss auf die Ausbaupläne nehmen wollte. Dies hatte eine Verschiebung der Aufgabenverteilung zwischen IGF und BI zur Folge.

Die IGF hatte in ihren starken Jahren zahlreiche Verbandsmitglieder. Zum Schluss blieb davon fast nur noch der Ort wo alles angefangen hatte – Mörfelden Walldorf. Das hing nicht nur mit dem weitgehenden Fehlschlagen der politischen Initiativen gegen den Ausbau zusammen. Eine wichtige Rolle spielten die Nachwirkungen der Mediation im Jahre 2000, als Kurt Oeser mit seinen Bemühungen, den Ausbau im Paket mit einem Nachtflugverbot zu beschliessen eine eigene Linie in Konfrontation zur BI fuhr und damit -zumindest vorläufig- scheiterte.

Die Auflösung der IGF Rhein Main erfolgte nun, weil es nicht mehr gelang, einen handlungsfähigen Vorstand zu bilden. Dies hängt auch mit dem Weg- und Rückzug des Ehepaars Treber zusammen, die zuletzt die Hauptarbeit trugen. Dirk Treber hielt den Vorsitz auch nach der Aufgabe seiner sonstigen Ehrenämter und Funktionen aufrecht, in der Hoffnung doch noch einen Nachfolger zu finden.

Die Presseerklärung zur Auflösung des Vereins IGF findet sich auf der Facebookseite der IGF, „Lärmfurt“

Hier ein Artikel zur 50 Jahr Feier der IGF im Jahr 2015 aus der FNP.

Auch interessant: Eine Festschrift 50 Jahre Frankfurter Fluglärmkommission als PDF.


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