Lufthansa will ins Urlaubsgeschäft

Die Lufthansa beginnt sich für den Flugmarkt nach Corona aufzustellen. Dafür hat sie eine weitere Gesellschaft gegründet – eine Untergesellschaft von Eurowings ( die mit den schlechteren Löhnen) . Das Ganze nennt sich „Eurowings Discover“ (die mit den noch schlechteren Löhnen) . So richtig schlechte Aussichten sind das für die AnwohnerInnen der Drehkreuze München und Frankfurt.

Für die bedeutet das nämlich neuen Lärm zu Tagesrandzeiten und zugeparkte Wohngebiete in den Anliegerkommunen. Denn es handelt sich hier um das Publikum, was sein Geld lieber in einen Pina Colada Drink am Pool als in einen Stellplatz am Flughafen investiert: FernurlauberInnen.

„Wir wollen Einmalflieger begeistern“ sagt der Chef der neuen Gesellschaft. Das bedeutet nichts anderes, als das Lufthansa das -neben der Raumurlauberei und den Militärs- klimaschädlichste Flugsegment aufblasen will: Den interkontinentalen Flugtourismus.
Dazu bewegt hat die Lufthansa offenbar die Prognose, dass die Geschäftsfliegerei im Zeitalter der Digitalisierung schrumpfen könnte. Muss-Flüge fallen weg, aber Lust-Flüge lassen sich nun mal nicht einpixeln. Da will sie sich als Erlebnis- und Qualitätsmarke positionieren.
Die Airline startet mit im übrigen Flugverkehr der LH redundant gewordenen Langstreckenjets A 330 für die Transkontinentalziele und A320 für die Europa- und Nordafrikaziele. Der arme A 380 hat schon wegen seines Kerosindurstes keine Chance, hier mit anzumustern.
Stationiert sollen die vorerst knapp 20 verplanten Maschinen hälftig in Frankfurt und München. Schon wegen der Infrastruktur. Nicht nur Tuifly, auch die Condor muss sich dort auf einen neuen preisdrückenden Wettbewerber einstellen, welcher die anspruchsvollere Kundschaft abfischt. Die Zeiten der Zusammenarbeit von Lufthansa und Condor sind erstmal vorbei.

Tourismusverkehr ist Charterverkehr mit niedriger Gewinnmarge – es bleibt also nicht viel beim Flughafen und den Beschäftigten hängen. Das Lohnniveau soll noch einmal 25 Prozent unter dem der klassischen Eurowings liegen. Die Stellen sollen denen angeboten werden, die bei Lufthansa entlassen werden, aber auch ausgeschrieben werden.

Das Segment ist also wie beschaffen für das Billigflugterminal drei, das wir hiermit einmal mehr zur Hölle wünschen.

Vielleicht aber entdeckt Lufthansa mit seiner „Discover“ Marke möglichst schnell, dass es wenig Unzeitgemässeres gibt als das Geschäftsmodell , Leute für lau an entfernte Strände zu bringen um sich die Sonne auf den Hintern brennen zu lassen. Das Gewerbe ist krisenanfällig. Die anvisierten Traumziele von Kenia bis zur Dom Rep haben fast alle etwas gemeinsam : Politische und soziale „Instabilität“ (was für ein Wort) , und es kann gut sein, dass von dort viel mehr Leute einfach nur weg wollen als von hier aus dort hin. Sichtbares Flüchtlingselend ist ein Reisemangel. Aber: wenn ein Land als Ferienparadies bedauerlicherweise ausfallen sollte, fliegen wir halt woanders hin.

Wie wärs als Geschäftsidee mit „Eurowings Rescue“ oder „Lufthansa Recover“ mit internationalen Hilfsflügen im Auftrag der Bundesregierung im Angebot ? Heute witzeln wir noch, morgen ist es vielleicht schon Realität.


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