Demo gegen Flughafenausbau in Barcelona

Weltweit wird an vielen Orten gegen den Ausbau von Flughäfen protestiert, doch das gegen eben erst auf Eis gelegte Pläne für den Ausbau eines Flughafens noch einmal über zehntausend Menschen demonstrieren und es damit landesweit in die Medien schaffen, dürfte es bisher noch nicht gegeben haben. So geschehen am vergangenen Sonntag in Barcelona.

Genauer gesagt ging es um den Flughafen Barcelonma – El Prat, der etwas südlich der Stadt am Mittelmeer liegt. Der Protest entzündete sich an der geplanten Verlängerung der dritten Bahn, die in Delta des Llobregat hineinreichen würde, welches unter Naturschutz steht und auch landwirtschaftlich genutzt wird. Vorgesehen war aber auch der Bau eines neuen Terminals sowie von Hotels und Büros. Zumindest der eigentliche Flughafenausbau gehört nun bis auf weiteres der Vergangenheit an, da die Zentralregierung in Madrid Anfang des Monats entschied, die Mittel für das Projekt auf Eis zu legen. Grund ist die Ablehnung durch die – separatistisch ausgerichtete – katalanische Provinzregierung und die Bürgermeisterin Madrids, die von einem Bündnis progressiver Bürgerinitiativen getragen wird. Auch der Druck der Straße dürfte seinen Teil beigetragen haben, immerhin begannen die Vorbereitung für die Demonstration schon vor dem Einlenken der Zentralregierung.

Das Publikum war altersmäßig sehr durchmischt, die Stimmung war erwartbar gut, dabei aber durchaus kämpferisch. Wogegen wurde aber demonstriert, wenn der Kampf – so könnte mensch meinen – schon gewonnen ist? Um dies zu verstehen ist ein Blick auf den politischen Hintergrund der Teilnehmenden hilfreich.

Auf den Straßen Barcelonas versammelten sich nämlich nicht in erster Linie unmittelbar betroffene Anwohner*innen (obgleich auch die anwesend waren), sondern eine breite politische Bewegungen. Antifaschistische Symbole waren ebenso zu sehen wie antikapitalistische Slogans, feministische Gruppen liefen neben katalanischen Nationalfahnen. Die in hoher Auflage verteilte Kampagnenzeitung der Demoorganisator*innen fand nicht nur reißenden Absatz, sondern wurde auch auffallend oft noch vor Ort aufmerksam studiert. Wohl ein Hinweis darauf, dass viele Teilnehmende in der Vergangenheit eher in andere politische Auseinandersetzungen eingebunden waren.

Ein verbindendes Element war sicherlich der Kampf gegen den Klimawandel und seine Verursacher, der in der verteilten Zeitung ebenso seinen Platz fand wie in den Reden auf der Bühne. Unter den Teilnehmenden wurden Flyer für den weltweiten Klimastreik am kommenden Freitag verteilt und auch Extinction Rebellion war mit einem Banner vertreten. Bemerkenswert ist aber, dass der Klimawandel nicht das eine zentrale Element der Mobilisierung war.

Deutlich mehr Raum nahmen Argumente mit Bezug auf die Regionalentwicklung und eine damit verbundene Ablehnung des Wachstumsparadigmas ein. „Zero Port“, eine der maßgeblich an der Mobilisierung beteiligten Gruppen, richtet sich sowohl gegen den Flughafenausbau als auch die Erweiterung des Hafens. Auf der Bühne sprach unter anderem eine Delegation von Bürgerinitiativen aus ganz Katalonien, die sich gegen meist mit dem Massentourismus verbundene Neubauprojekte richten. Der Flughafen gilt hier als Treiber einer Entwicklung, die zu einem immer expansiveren Tourismus führt und erhebliche Naturzerstörungen nach sich zieht.

Auch andere große Infrastrukturprojekte werden kritisch gesehen, einige Teilnehmer richteten sich etwa gegen den Bau neuer Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecken und forderten als Alternative den Ausbau des Nachtzugnetzes. Das der neue Plan der Zentralregierung nun die bessere Anbindung bestehender Regionalflughäfen an das Schnellzugnetz vorsieht, dürfte hier nicht auf Gegenliebe stoßen. Denn letztlich ging es den Teilnehmenden um ein neues, nachhaltiges Modell der Entwicklung, auch aber nicht nur für ihrer Region – in diesem Sinne waren auch die Bezüge auf die Bewegungen gegen die Flughafenausbauten in Wien, Istanbul und Mexiko zu verstehen. Es bleibt also einiges zu tun, auch in Katalonien. Dennoch ist der Erfolg der dortigen Bewegung ein schönes Beispiel dafür, dass Ausbaupläne gestoppt werden können, wenn die politischen Rahmenbewegung stimmen und sich der Protest in einen größeren Kontext einfügt.


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