Mahnwache „10 Jahre Protest gegen den Betrieb der Nordwestbahn“

Vor zehn Jahren, am 21.10.2011, wurde die Nordwestbahn des Frankfurter Flughafens mit dem Einflug von Bundeskanzlerin Angela Merkel feierlich eröffnet. Um zu zeigen, dass die Region nicht befriedet und viele Menschen nicht zufrieden sind, findet am Donnerstag, den 21.10 um 18 Uhr eine Mahnwache im Terminal 1 des Flughafens statt.

Die massive Verlärmung – besonders unangenehm und gesundheitsbelastend in den Tagesrandstunden – wirkte wie ein Weckruf . Und dies in einem Korridor zwischen dem mittleren Kinzigtal und tief nach Rheinhessen und den Taunus hinein. Mit einer solchen Lärm- und Lärmprotest- Ausdehnung hatte vorher nur eine Minderheit gerechnet. Jemand sagte damals : Es ist ein Riesenunterschied, sich im Kopf über Dezibelwerte und Überflughöhen Gedanken zu machen – oder es am eigenen Leib zu erleben.

Der neue Protest wuchs und radikalisierte sich schnell und fokussierte sich auf den Protest im Terminal 1. Die Hauptforderung war die Wiederstillegung der Nordwestbahn oder zumindest deutliche Betriebsbeschränkungen. Er nahm solche Ausmasse an, dass sich die Fraport gezwungen sah eine Werbeagentur für eine Imagekampagne „Ja zu Fra“ einzukaufen. Die Radikalisierung auf das Thema Anti-Lärm und Landebahnschliessung verhinderte allerdings zweierlei:
Die Menschen, die vom Fluglärm verschont waren, ins Boot zu holen und Solidarität einzuforden. Solidarität einzuholen hätte zum Zweiten auch erfordert, selber welche gegenüber anderen politischen Bewegungen, die sich gegen die Verbindung von Wirtschaft und Politik beim Machtkomplex Fraport stellen, zu zeigen. Es gab dabei immer eine grosse Diskrepanz zwischen der klassischen Demobesucherin und der politisch-strategisch denkenden Aktivisti.

Es gelang nicht, über den Anti-Fluglärm Protest neue Massenaktionen zu entwickeln. Anstatt sich mit der Politik kritisch – distanziert auseinanderzusetzen klammerte man sich einzelne wohlgesonnene PolitikerInnen oder an eine Stabsstelle am Katzentisch. An mangelnder Durchsetzungskraft krankte auch der viel zu spät zur offiziellen BI-Linie gemachte Protest gegen den Bau des Terminal 3.

Zwischen dem Anti-Startbahn Protest und dem Anti-Landebahn Protest liegt mit 30 Jahren ziemlich genau eine Generation. Und die sogenannte „Generation Golf“. Mit dem neuen Klimaprotest bekommt der Einsatz gegen die schädlichen Auswirkungen des Luftverkehrs vielleicht eine neue Grundlage. Es zeichnet sich aber schon ab, dass die neuen Kampagnen . etwa zur Einstellung der Kurzstreckenflüge – keine aus der Region getragenen Massenkampagnen werden. Dazu fehlt -wie schon weitgehend dem Fluglärmprotest- eine Struktur bürgerinnennah arbeitender BIs.

10 Jahre Nordwestbahn, 10 Jahre Verlärmung. Wenn die JournalistInnen zur Mahnwache kommen, werden sie ihre Vergleiche mit der Strahlkraft des Protests vor 10 Jahren anstellen – etwas, wovor es der Rest-BI hinsichtlich der Gefahr, sich mit einer niedrigen Teilnehmendenzahl zu blamieren, etwas mulmig ist. Aber der Protest muss sein, er erfolgt auch im Namen derer, die sich von den wirkungsarmen Wiederholungen des Demonstrierens ermüdet , wieder ins private Nest zurückgezogen haben- dort wo sie vor 10 Jahren herausgejagt sind. Es hat schon Gründe, dass der Protest des letzten Jahrzehnts meist heimatschützerisch und nicht weltbürgerlich-internationalistisch aufgetreten ist. Es ging den Leuten an ihr Häuschen und ihre private Existenz.
Das bildet sich ab bis in den nach Stadtgebieten gegliederten Marktbericht des Immobilienmaklerunternehmens Salomon Stettin. Hier ist die Janusköpfigkeit des Flughafens in Fettschrift auf den Punkt gebracht:

Frankfurt Süd- In Worten

Deutschlands grösster Flughafen sorgt für internationales Flair

Das Gebiet südlich des Mains umfasst alle Stadtteile südlich des Mains. Im Osten endet es mit Schwanheim, im Osten in Oberrad. Der Stadtteil Sachsenhausen ( Nord und Süd) ist der bekannteste Stadtteil der Region…..Sachsenhausen Süd ist geprägt von gehobener Villenbebauung am Lerchesberg.

Zu erwähnen ist hier allerdings die hohe Lärmemission durch den Frankfurter Flughafen, der das Gebiet in den letzten Jahren deutlich abgewertet hat


0 Antworten auf “Mahnwache „10 Jahre Protest gegen den Betrieb der Nordwestbahn“”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× fünf = fünfzehn