Waldbesetzung http://waldbesetzung.blogsport.de Widerstand gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens Tue, 11 Jan 2022 16:42:01 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Das plötzliche Ende des Lachzimmers http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/das-ploetzliche-ende-des-lachzimmers/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/das-ploetzliche-ende-des-lachzimmers/#comments Tue, 11 Jan 2022 16:33:19 +0000 Administrator Über den Tellerrand http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/das-ploetzliche-ende-des-lachzimmers/ „Superhuman“ schoss die Traverse entlang und tunnelte das Transpi „Mit Lachgummi stirbt die Welt.“ Das war die Waldbesetzung Steinhäuser Wald. Und ist es weiterhin, denn am Morgen des 6. Januars wurde sie (nur) teilgeräumt.

Der Steinhäuser Wald ist ein kleines Waldstück bei der westfälischen Stadt Halle. Seit vielen Jahrzehnten ist hier die Hauptproduktionsstätte des Süsswarenherstellers Storck. Der will eine neue Produktionsanlage mit moderner Logistik bauen und deshalb sein Werk nach Osten erweitern. Dafür muss ein Bach umgeleitet werden und Wald fallen.
Anfang letzten Jahres war der Druck auf Storck so gross geworden, dass der Konzern erklärte, vorerst auf eine Rodung zu verzichten. Die Besetzung des Waldes wurde daraufhin ausgesetzt . Am Waldrand baute Fridays for Future ein kleines Klimacamp mit einigen Zelten auf.

Im Oktober wurde die Besetzung wieder aufgenommen und es entstanden zwei Baumhäuser – die schon erwähnte Struktur „Lachzimmer“ und das Baumhaus „Kuchen“, das sich aber zu einer Dauerbaustelle entwickelte.

Wieso „Lachzimmer“ ? Nun wer kennt sie nicht, die „Lachgummis“ von Storck ? Der Name ist eigentlich bescheuert, aber sie sollen gute Laune verbreiten und der Mensch, die sie isst, soll Spass haben. Die Firma Storck hat sich zum zweitgrössten nationalen Süsswarenhersteller Deutschlands hochgearbeitet und ist stolz auf ihre Innovationskraft. So fand man in den 90ern die Bezeichnung „Weingummi“ für die Weichgummis mit Fruchtsirup nicht mehr zeitgemäss. Was wird mit „Wein“ assoziiert ? Alkohol, und eben Tränen. Warum nicht Lachen statt Weinen ? Der Lachgummi trat seinen Siegeszug an.

Aber was gestern noch innovativ war muss es heute nicht mehr sein. Lachgummi wird lächerlich. Auf einem Twittervideo lächerlich gemacht. Im besetzten Wald posieren fünf vermummte Gestalten mit fünf Tüten Lachgummis. Das bedeutet fünf vermeintliche Geiseln, die jetzt die Seite wechseln mussten . Dabei haben sie genauso viel oder genauso wenig zu lachen wie vorher. Eine Tüte ist aufgerissen. Dazu die Drohung an Storck: „Eine der Geiseln leidet bereits merklich an Gewichtsverlust.“

Es ist die Drohung mit Gesichtsverlust, welche die Besetzis an Storck aussprechen. Oben baumelt mit Halloween-Bezug ein Transpi: „Nix Süssess mehr, sonst gibt es Saures“.
Die Szene hier im überwiegend kleinstädtisch geprägten Raum ist eher jugendlich oder vom Schlag „Parents for Future“. Die Proteste wurden von Fridays for Future und auch von Extinction Rebellion angeschoben. Das ist Transparenten wie „Mit Lachgummi stirbt die Welt“ deutlich anzumerken.

Aber selbst in den Reihen der Belegschaft empfinden es inzwischen viele als Widerspruch, das ein Lebensstil-betontes Unternehmen es sich leistet, einen Konflikt Klimaschützerinnen auszutragen anstatt auf Ausweichlösungen zu setzen.
Da hilft es auch nix, dass Ausgleichsflächen ausgewiesen und auch bereits bepflanzt wurden und die Schneise, die jetzt gerodet wurde, nicht versiegelt wird sondern den Laibach aufnimmt. Ein Grossteil der für die Hallen benötigten Fläche sei unbewaldet.
Bereits beim Bau des Werks in den 50ern habe man den damaligen Waldverlust ausgeglichen, als noch kaum eine Recde davon war.

Den Besetzis geht es aber nicht nur um die 600 Bäume, es geht ihnen um die Wirtschaftsordnung, die Konzerne wie Storck hervorbringt. Der stelle sein Gewinninteresse über das Gemeinwohl im Angesicht der Klimakrise, es gäbe eine direkte Verbindung der sozialen Kämpfe gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung im globalen Süden und hier vor Ort.

„Steini bleibt“ war immer eine kleine Besetzung von eher regionaler Bedeutung. Wenn es um keine grossen politischen Rücksichtnahmen , Auseinandersetzungen und Absprachen geht, sind überraschende Räumungen immer möglich.
In Halle ging mensch davon aus, dass sich die August Storck KG noch an die Zusage vom Jahresbeginn halten würde, vorerst nicht zu räumen. Und so erschien auf der Twitter Seite der Besetzung noch nach Weihnachten, als sich die Situation nebenan in Wuppertal bereits zuspitzte, folgendes Posting:

„Osterholz räumungsbedroht, wer kann, hin da. Wer keine Räumung mitmachen mag, komme zu uns, um gemeinsam zu bauen, kochen ,klettern, Leben. Hier gibt es Kuschelbullen“

Entsprechend wurden die Gruppen welche die Besetzung tragen, von der Räumung am 6. Januar zu Sonnenaufgang kalt erwischt. Eine völlige Blamage wurde vermieden, da zumindest das Baumhaus „Lachzimmer“ besetzt war. Der Bewohner berichtet auf einem Pilger-Video von der Räumung.
Angesichts der Übermacht und mit der Zusicherung freien Geleits räumte er das Baumhaus.
Die herbeigeeilten Demonstrantinnen standen dann vor Absperrungen. Es waren zwei Hundertschaften im Einsatz, die Rodungen wurden mit zwei Harvestern ausgeführt und bis zum Nachmittag abgeschlossen. Da gab es dann noch eine Spontandemo mit 20 Leuten in Halle.

Mittags wurde getwittert:
“ Mit Tränen in den Augen und Wut im Bauch stehen wir hinter den Polizeiketten und müssen zusehen, wie ein Baum nach dem anderen gefällt wird.“

Und: Wir trauern um die Bäume Dickie, Klotho, Athropos, Lachesis, Skeletor,Knoppers,Jule,Lotte, Rudolf, V-Baum, Orang Borang und viele weitere.“

Am folgenden Tag wurde folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

„Gemeinsam wurden wir heute morgen von der Räumung und Rodung überrascht. Vielleicht war es naiv, sich auf das Wort der Firma Storck verlassen zu haben. In jedem Fall wurde unsere Hoffnung zerstört, dass das Unternehmen den Ernst der Klimakrise einsehen und sich zukunftsfähig verhielte.

Jeder gefällte Baum ist ein Schlag ins Gesicht der jungen Generation und der Menschen im globalen Süden. Das Kapital hat wieder einmal seine hässliche Fratze gezeigt, unsere Lebensgrundlagen fallen Storcks Gier zum Opfer.

Daher halten wir es auch für vertretbar, zum Boykott der Produkte ( Merci, Nimm 2, Riesen, Toffifee etc ) aufzurufen.

Nichtsdestotrotz offenbart unser Kampf eines: Mitten in der galoppierenden Klimakrise geschieht keine Rodung ohne Widerstand. Eine Handvoll mutiger Menschen bewirkt, dass ein globaler Player wie Storck Monate der Vorbereitung und zwei Hundertschaften brauchte, um seine Interessen durchzuprügeln. Wie lange braucht ihr wohl, um unser zweites Baumhaus zu räumen ?

Ein Wort noch zu den Steinen: Es hatte niemand die Absicht, Mitarbeiter der wortbrüchigen Firma zu bewerfen. Die Steine haben wir zum Schutz vor Nazis auf unseren Strukturen.

Ob das in Zukunft so bleibt, können wir nicht sagen, denn der gestrige Tag führte uns sehr ausdrücklich vor Augen, dass Gewaltlosigkeit zu Waltlosigkeit führt- Hashtag friedliche Sabotage.“

In den sozialen Medien wurde – wie der letzte Absatz schon andeutet- eine umfangreiche Gewaltdiskussion geführt.

„1,5 Grad Klimaziel verkackt – gewaldlos in die Klimakrise“

„Es gibt keinen gesellschaftlichen Fortschritt ohne Kampf. Wann ist die Klimabewegung bereit für Aktionsformen jenseits des strategischen Pazifismus ?
Vermutlich steigt mit den eskalierenden Folgen der Erderhitzung die Bereitschaft und Akzeptanz von Sabotagen. Es wird dann allerdings zu spät sein.“

„Kapieren oder Krepieren“

Es gab aber auch Beiträge, mensch solle doch sinnvoll handeln statt mit Gegengewalt den Frust abzulassen.

Was als friedliche Sabotage diskutiert wurde, war unter anderem der Aufruf zum Boykott von Storck Produkten. Zerstörung dürfe sich für Storck finanziell nicht lohnen.
Es wurde zur Rückmeldung an die Firma aufgerufen. Mensch solle per Kontaktformular dem Storck- Verbraucherservice eine Nachricht nebst Begründung zukommen lassen. Der Aufruf wird von „Fridays for Future Altkreis Halle“ getragen.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/das-ploetzliche-ende-des-lachzimmers/feed/
Frankfurt: Viel Wirbel um Rückzug von Ryanair http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/frankfurt-viel-wirbel-um-rueckzug-vonryanair/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/frankfurt-viel-wirbel-um-rueckzug-vonryanair/#comments Tue, 11 Jan 2022 13:03:07 +0000 Administrator Flughafen & Region http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/frankfurt-viel-wirbel-um-rueckzug-vonryanair/ Letzte Woche verkündete die Fluggesellschaft Ryanair, ihre fünf in Frankfurt stationierten Flugzeuge zum Sommerflugplan abzuziehen und die Basis zu schliessen. Dafür machte sie die Gebührenordnung von Fraport und das Corona- Krisenmanagement der Bundesregierung verantwortlich.

Der Beschluss aus der Konzernzentrale scheint recht kurzfristig gefällt worden sein – schliesslich waren die Buchungsportale für die Angebote im Sommerflugplan bereits offen. Die eingegangen Zahlungen für die nun stornierten Flüge sollen rückerstattet werden.

Als Ryanair vor genau fünf Jahren startete, warb es mit Anzeigen wie „Lufthansa muss sich warm anziehen“ und schmiss mit Billiger- als billig-Schnäppchen um sich. Damals war die Rede davon, schon bald zwölf Maschinen in Frankfurt stehen zu haben und 2,3 Millionen Passagiere pro Jahr abzufertigen.

Das Ryanair nach Frankfurt kam, ging auf einen Deal mit Fraport zurück. Dort ärgerte man sich über die Geschäftspolitik der Lufthansa. Die wollte in Frankfurt weiterhin nur Lufthansa-Flüge anbieten und sich am Standort nicht selbst mit Eurowings-Low Cost- Flügen Konkurrenz machen.

Fraport wollte aber unbedingt am expandierenden Billigflugmarkt teilhaben – anders waren die Wachstumsziele nicht mehr umsetzbar. Da hatte man Ryanair als Ankermieter für das neue Terminal 3 im Visier, dessen Bau nun beschleunigt vorangetrieben wurde. Unsere Antwort war das Waldcamp Trebur. Es kam aber kaum offene politische Unterstützung aus den Umlandkommunen.

Ryanair wurde mit einem Neukundenrabatt gelockt. Der lief aber auf Beschluss von Fraport 2020 -pünktlich zu Corona- aus.

Die irische Fluglinie mit der Harfe im Logo gibt die Erhöhung der Flughafenentgelte um 4,3 Prozent zum Jahreswechsel als Grund für den Rückzug an. Das würde Verkehr und Arbeitsplätze „vertreiben“. Fraport verteidigt die Erhöhung als moderat und der Inflation und den gestiegenen Produktionskosten durch die Pandemie geschuldet.

Ryanair möchte, dass die Flughäfen den Airlines mit Sonderkonditionen entgegenkommen, um den Verkehr wieder anzukurbeln. Dabei geht es um nichts anderes als um verstärkte staatliche Subventionierungen mit Steuermitteln. Es ist zu hoffen, dass Provinzflughäfen wie Nürnberg da aus umwelt- und verkehrspolitischer Vernunft nicht mitziehen (dürfen). Hier ist auch das Land Bayern in der Pflicht. Auch wenn Ryanair-Abflüge einen Flughafen attraktiver machen. Der Preis ist zu hoch, wenn Ryanair nichts davon übernimmt. Fest steht: Ryanair schmeisst sein gutes Geld nicht schlechtem hinterher. Den Hahn wird sie nicht retten.

Zum anderen schimpft Ryanair auf die Bundesregierung – so wie die Linie auch auf die britische Regierung schimpft, weil sie sich benachteiligt fühlt.

Von Berlin verlangt sie „diskriminierungsfreie Verkehrsrückgewinnungsprogramme“. Das heisst, die Regierung soll die Erholung des gesamten Reisemarktes stimulieren und für einen Anstieg der Fluggastzahlen sorgen . Sie hätte in der Krise aber einseitig die Lufthansa subventioniert und denen auch noch den Arbeitsplatzabbau bezahlt.

Woran mag das liegen, dass Ryanair plötzlich nicht mehr so landet ? Nun, die Konkurrenten haben gelernt. So bietet Lufthansa inzwischen Billigflüge nach Bulgarien an – ab Frankfurt. Die Digitalisierung und die Yield Management-Preisstrategie machen es möglich – billig sind natürlich nur kleine Kontingente im Voraus. Wer kurzfristig buchen muss, zahlt ein Vielfaches.
Ryanairs Warmwasser- und Kurzurlaubsziele wie Athen, Malaga, Mallorca , Bergamo oder Dublin sind in Coronazeiten nicht besonders systemrelevant ,sondern eher unerwünscht. Im Gegensatz zum Lufthansa-Jet nach Sofia, der Pflegehilfskräfte billig kurz nach Hause fliegt, um nach der Familie zu sehen . In Zeiten der Pandemiekontrolle und Klimaschutznachsorge schlägt das Pendel von der totalen Deregulierung der letzten zwei Jahrzehnte wieder in die Gegenrichtung zurück. Schlecht für einen betont unabhängigen Player wie Ryanair.

Die Reaktion in der Politik war eine gewisse Schadenfreude. Die gilt Bouffier und Al Wazir. Die wären mit ihrer Dumping-Strategie gescheitert. „Auf Nimmerwiedersehen, Ryanair“ sagt die Linke. Da sollte mensch sich aber nicht so sicher sein – im real existierenden Kapitalismus ist so einiges möglich, und gerade auch potentielle Linken WählerInnen mit schmalem Einkommen fliegen gerne billig.
Die regionale SPD PolitikerInnenschaft freut sich, dass es nun weniger Zeitüberschreitungen beim Nachtflugverbot über den Köpfen ihrer Wählerinnen gäbe. Aber die waren auch immer für eine neue Südbahn.

Die schnöde Wahrheit dürfte sein: Die SPD an der Regierung hätte Ryanair auch hofiert, wenn Fraport sie darum gebeten hätte. Aber gerade bei Fraport scheint es über die fünf Jahre Partnerschaft mit Ryanair zu einer gewissen Abkühlung des Verhältnisses gekommen zu sein.

Nun steht das Terminal drei da wie ein neuer grosser Bungalow, dessen ErbauerInnen sich haben scheiden lassen und nicht einziehen werden. Ein Fall für die Mottenkugel, wenn nicht langfristig für die Abrissbirne. Aber bitte: Keine Wohnungen hinklotzen, lieber wieder aufforsten.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/frankfurt-viel-wirbel-um-rueckzug-vonryanair/feed/
Verfassungsbeschwerde soll Osterholzer Wald bei Wuppertal retten http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/verfassungsbeschwerde-soll-osterholzer-wald-bei-wuppertal-retten/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/verfassungsbeschwerde-soll-osterholzer-wald-bei-wuppertal-retten/#comments Tue, 11 Jan 2022 11:42:29 +0000 Administrator Über den Tellerrand Sehring http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/verfassungsbeschwerde-soll-osterholzer-wald-bei-wuppertal-retten/ Die Baustofffirma Oertelshofen hat die verwaltungsrechtliche Genehmigung zur wirtschaftlichen Nutzung und Rodung von 5 Hektar Hochwald im Bergischen Land zwischen Wuppertal und Haan erhalten. Damit droht unmittelbar die Räumung der dortigen Waldbesetzung. Anfang der Woche waren PolizistInnen zum „Scouten“ da. Mit einer juristischen Massnahme soll der bevorstehende Baubeginn weiter verzögert und möglichst gestoppt werden.

Die Beschwerdeführerinnen aus den Reihen der Waldschützerinnen berufen sich auf die Rahmenvorgaben , die das Klimaschutzurteil des Bundesverfassungsgerichts setzt. Eine Rodung des Waldes sei -entgegen den Beschlüssen nach Bergrecht – nicht nötig und auch nicht statthaft, da es Alternativen gäbe.

Jetzt wurde Verfassungsbeschwerde eingereicht und gleichzeitig ein Antrag zur Aussetzung der Vollziehung gestellt. Bis zur Entscheidung, ob die Beschwerde zur Prüfung angenommen wird, ist von einer Aussetzung der Räumung auszugehen.

Hier der Link zur Webseite der Besetzis

Hier ein älterer Artikel auf Waldbesetzung

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2022/01/11/verfassungsbeschwerde-soll-osterholzer-wald-bei-wuppertal-retten/feed/
Megatankstelle Flughafen http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/29/megatankstelle-flughafen/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/29/megatankstelle-flughafen/#comments Wed, 29 Dec 2021 15:01:43 +0000 Administrator Flughafen & Region http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/29/megatankstelle-flughafen/ Je mehr der Verbrauch fossiler Brennstoffe im Verkehrsbereich zurückgedrängt wird, um so mehr tritt der Öldurst des Frankfurter Flughafens in den Vordergrund. Nach statistischen Erhebungen ist er der grösste Endenergieverbraucher Hessens.

Zwar hat sich der Spritverbrauch der Flugzeuge pro Passagier gemessen auf 3,5 Liter pro Hundert Kilometer in den letzten 30 Jahren fast halbiert, so hat er sich absolut im gleichen Zeitraum verdoppelt.

Es wird mehr geflogen. Hier ist der typische Rebound-Effekt eingetreten. Weil Flüge billiger angeboten werden können, wird um so mehr Gebrauch davon gemacht. Bekannt ist der Effekt auch von elektronischen Haushaltsgerätschaften und bei Autos.

Der Flughafen ist der grösste CO.2-Produzent des Bundeslandes. Meist werden die Statistiken schöngerechnet. In die übliche Hessenstatistik wird nur der Treibstoffverbrauch bis zu einer Höhe von 3000 Fuss eingerechnet und die Belastungen durch die meist langen Flüge herausgerechnet. Getankt wird aber in Frankfurt – und die Statistik schliesst ja auch alle Autofahrerinnen ein, die beim Transit durch Hessen auftanken.
Der Verbrauch aus einer halbe Million Flugbewegungen ist klimaschädlicher als der durch die 3,7 Millionen KFZ in Hessen, sagt die Statistik.

Der Flughafen gilt als die grosse Ausnahme von der Regel, dass Wachstum ressourcenschonend möglich ist. Dem könnte entgegengesteuert werden, wenn das Kerosin teurer würde. Der Flugverkehr hat einen guten Anteil daran, dass Deutschland seine Klimaziele 2022/23 wahrscheinlich verfehlen wird. Um so mehr, je schneller die rein koronabedingte Flugzurückhaltung enden wird.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/29/megatankstelle-flughafen/feed/
Danni: Vom Baumhaus ins Gasthaus http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/29/danni-vom-baumhaus-ins-gasthaus/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/29/danni-vom-baumhaus-ins-gasthaus/#comments Wed, 29 Dec 2021 14:36:59 +0000 Administrator Allgemein http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/29/danni-vom-baumhaus-ins-gasthaus/ Mit der Aussage „Wir wollen bleiben“ hat sich der Verein „Gästinnenhaus Jakob e.V.“ an seine Unterstützerinnen und die Öffentlichkeit gewendet. Er arbeitet daran, das Aktions- und Bildungszentrum, das aus der Besetzung hervorgegangen ist, langfristig zu sichern.

Hinter den Aktiven , die nach dem Ende der Barrios geblieben sind, liegt ein Jahr des „Aufräumens, Sortierens und des Aufarbeiten von Erlebnissen, Gedanken und Materialien.“ . Es haben einige Projektwochenenden, Workshops und kulturelle Veranstaltungen stattgefunden. Auch sind eine offene Bibliothek und eine Werkstatt entstanden. Auch Grünflächen werden bearbeitet. Das Gästinnenhaus soll ein offener Ort für die klimagerechte Veränderung der Gesellschaft sein – und als ein Platz für Austausch, Engagement und auch für Regeneration weiter entwickelt werden.

Um die langfristige Zukunft der Immobilie ( die derzeit angemietet ist) und auch der Gruppe zu sichern, soll das alte Gasthaus gekauft werden. Ein Fünftel der benötigten Summe ist bereits zusammen, der Rest soll im Lauf des nächsten Jahres zusammenkommen. Spenden und Mikrokredite sind willkommen.

Hier die Internetseite des Gästinnenhauses.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/29/danni-vom-baumhaus-ins-gasthaus/feed/
Bericht vom Waldspaziergang in FF-Fechenheim am 19.12 2021 http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/27/bericht-vom-waldspaziergang-in-ff-fechenheim-am-19-12-2021/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/27/bericht-vom-waldspaziergang-in-ff-fechenheim-am-19-12-2021/#comments Mon, 27 Dec 2021 15:47:51 +0000 Administrator Flughafen & Region Sehring http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/27/bericht-vom-waldspaziergang-in-ff-fechenheim-am-19-12-2021/ Am Sonntag, dem 19.12. fand der letzte Waldspaziergang des Jahres gegen den Riederwaldtunnel statt. Knapp 50 Leute nutzten die Gelegenheit, sich über den Stand des Projektes und den Widerstand dagegen zu informieren.

Ein weiterer Anlass war das Bedürfnis der Bürgerinitiativen, den Waldbesetzerinnen für ihren Einsatz zu danken. Es wurde ein Geschenk überreicht. Eine Sprecherin sagte, ohne die Waldbesetzung wäre die Verhinderung der A 66- Verlängerung nicht erneut auf die Agenda gekommen und hätte als abgehakt angesehen werden können. Die Besetzung , deren Ziele und Ansprüche über die blosse Ablehnung der Planung hinausgingen, gäben den Vorstellungen einer anderen Mobilitätspolitik ein sichtbares und reales Abbild.

Ein Vertreter der Besetzis bedankte sich wiederum bei den AnwohnerInnen in Bornheim und im Riederwald, welche der Besetzung Unterstützung zukommen liessen. Nur so sei die Aktion über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Es habe sich einiges getan – die meisten Baumstrukturen seien jetzt winterfest. Die Verschiebung des Rodungsbeginns auf 2022/23 gäbe eine Chance, die mit der im Danni vergleichbar wäre – auch dort gab es ein wertvolles Jahr, den Widerstand zu entwickeln.
Dafür sei es nötig, dass sich möglichst viele Leute aktiv in das Geschehen einbrächten. Die Besetzung freue sich über Sachspenden mit praktischem Nutzen – das fange schon bei einer Fahrradluftpumpe an, die gegenwärtig fehle . (Es fand sich auch gleich jemensch, welche eine zur Verfügung stellte) Mehr noch – über die Unterstützung hinaus böten der Wald und die Strukturen der Besetzung auch die Chance, selbst kreativ zu werden und beispielsweise Workshops oder auch Musik- und Kunst anzubieten. Nicht alles müsse mitgebracht werden – die Grundausstattung zum Herstellen von Transpis sei beispielsweise vorhanden.

Es gab auch einen Beitrag über den Planungsstand der Autobahn und die politische Situation. Direkt neben der Besetzung ist das Areal eingezäunt und beräumt Dort soll die Rampe des Tunnels entstehen . Gegenwärtig ist der Kampfmittelräumdienst mit Sondierungseinrichtungen am Werkeln.
Parteipolitisch sei in Frankfurt und darüber hinaus noch nicht allzu viel in Bewegung. Es seien schon einige Grüne dagewesen, mit dem Spruch “ Wir waren dagegen“ auf den Lippen, was nichts anderes heisst, dass sie jetzt die Planungen nicht wieder aufrollen wollen und faktisch die Umsetzung der Pläne mittragen – wie bei der A 49. Einzige Ausnahme in Frankfurt sei die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig – von ihr gab es Äusserungen, das sie sich eine Neubewertung unter Klimaschutzgesichtspunkten vorstellen könne. Die Linke Frankfurt sei „doppelt“ – sowohl für die Interessen der Natur als auch für die Interessen der Autofahrer durch den Ausbau. Auf die könne mensch nicht zählen.

Die Autobahn würde massiv Mehrverkehr in den Nordosten Frankfurts ziehen – selbst offizielle Planungen gingen davon aus, dass in den Zulaufabschnitten des geplanten Autobahndreiecks auf der A 661 der Berufsverkehr nur mit maximal 30 Stundenkilometern laufen würde. Und auch das nur, wenn der achtspurige Ausbaus der A 3 und A 5 rund um den Knoten Frankfurter Kreuz realisiert würde. Die Entlastung der Strasse am Erlenbruch ( das ist die Strasse, die das Ostend mit Enkheim und der Spange zur A 66 verbindet ) erfolge auch nur teilweise – trotzdem würde mit ihr und besonders dem Anwohnerinnenschutz das veraltete Projekt gerechtfertigt. Es sei aber deutlich, dass der Strassenbaulobby diese Leute herzlich egal wären, gälte es nicht die Autobahn durchzusetzen. Das Grossprojekt diene aber in erster Linie dem Pendler- Durchgangsverkehr. Für den müssten im Zuge der Verkehrswende Alternativen entwickelt werden – etwa durch den Ausbau des öffentlichen Schienenverkehrs.

Dann gab es noch einen Gastbeitrag aus Langen vom Aktionsbündnis Langener Bannwald. Der Wald sei unverzichtbar für brauchbare Lebensbedingungen in der Region, trotzdem solle im Langener Wald wieder gerodet werden. Das hänge damit zusammen, dass die Schwarzen und die Grünen keinen wirksamen Bannwaldschutz nach dem hessischen Waldgesetz durchgesetzt hätten. Der Kiesabbau für die umweltschädliche Baubranche sei ungebrochen. Es ginge dort um viel mehr Wald als im Teufelsbruch , nämlich um insgesamt 64 Hektar. Eine neuerliche Rodung von sechs Hektar könne schon im Januar 2022 passieren – falls das grün geführte Regierungspräsidium der Kiesfirma Sehring bescheinige, die Auflagen zur Rekultivierung älterer Abschnitte erfüllt zu haben. Ein solches O.K. sei zu befürchten . Dabei seien die Rekultivierungsbemühungen der letzten Jahre und Jahrzehnte weit hinter den Vorgaben und Auflagen zurück. Dann dürfe aber nicht gerodet werden. Falls das passiert, solle vor Ort demonstriert werden. Dafür stünde das Aktionsbündnis, das breit aufgestellt sei , und dem sich auch neue Gruppen, etwa „Fridays for Future“, angeschlossen hätten.

Abschliessénd gab es noch von den TeilnehmerInnen der Sternfahrt der Bürgerinneninitiativen an der Mahnwache eine Kuchentheke und ein Kulturprogramm. Für die Mahnwache wird eine neue Organisationsform und Arbeitsgrundlage gesucht, da eine Besetzung rund um die Uhr mit zwei Personen auf Dauer die Kräfte übersteigt.
Die nächste Waldbegehung ist für Mitte Januar angesetzt.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/27/bericht-vom-waldspaziergang-in-ff-fechenheim-am-19-12-2021/feed/
Sehring-Ini goes Teufelsbruch http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/15/sehring-ini-goes-teufelsbruch/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/15/sehring-ini-goes-teufelsbruch/#comments Wed, 15 Dec 2021 16:25:21 +0000 Administrator Flughafen & Region Sehring http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/15/sehring-ini-goes-teufelsbruch/ Der Teufelsbruch zwischen Fechenheim und Riederwald dürfte diesen Winter von einer Rodung verschont bleiben. Für den Langener Stadtwald ist das alles andere als sicher – die Kiesfirma Sehring könnte kurzfristig für Anfang 2022 eine Rodungsgenehmigung für sechs Hektar entwidmeten Bannwald beantragen. Es ist geplant, auf der Auftaktkundgebung der sonntäglichen Waldbegehung an der Waldbesetzung „Fecher bleibt“ am 19.12 2021 um 14 Uhr über das Aktionsbündnis Langener Bannwald und den aktuellen Sachstand zu berichten.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/15/sehring-ini-goes-teufelsbruch/feed/
Demo gegen Autobahnbegleitflächenfrass http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/10/demo-gegen-autobahnbegleitflaechenfrass/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/10/demo-gegen-autobahnbegleitflaechenfrass/#comments Fri, 10 Dec 2021 20:04:20 +0000 Administrator Über den Tellerrand http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/10/demo-gegen-autobahnbegleitflaechenfrass/ Jetzt am Samstag, den 11. Dezember findet um 14 Uhr in Alsfeld eine Demo gegen Pläne zum Bau eines gigantischen Industrieparks für autobahnaffines Gewerbe statt. Auf 440.000 Quadratmetern sollen sich Amazon, DHL und Co. nieder lassen können.

Hier ist die Werbung der Stadt Alsfeld für das Projekt („wenn es ein bisschen grösser werden soll“ )

Das Motto der Demo ist: „Acker satt statt Acker platt“

Start ist um 14 Uhr…..

…..am weissen Weg, Sammelpunkt ist der Parkplatz an der B 62 zwischen Flohr und Schiessstand. Per Bike geht es um 13.30 Uhr ab Marktplatz Alsfeld.

Das gefährdete Gelände soll umrundet werden. An jeder der Ecken soll es einen kurzen Redebeitrag geben. Coronaregeln und ähnliches sind zu beachten, gutes Schuhwerk ist sicher kein Fehler.

Verantwortlich zeichnet die örtliche Verkehrswendeinitiative, weitergeleitet wurde der Demo-Aufruf über den Danni.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/10/demo-gegen-autobahnbegleitflaechenfrass/feed/
Fitnessstudio dicht und kalt ? Komm doch lieber in den Wald ! http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/09/fitnessstudio-dicht-und-kalt-komm-doch-lieber-in-den-wald/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/09/fitnessstudio-dicht-und-kalt-komm-doch-lieber-in-den-wald/#comments Thu, 09 Dec 2021 12:00:35 +0000 Administrator Über den Tellerrand Sehring http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/09/fitnessstudio-dicht-und-kalt-komm-doch-lieber-in-den-wald/ Die Waldbesetzung „Heibo (Heidebogen) bleibt“ im Nordosten Sachsens hat sich viel vorgenommen: Naturschutz, Klimagerechtigkeit, Bauwende und so ganz nebenbei auch noch die Überwindung des Kapitalismus. Dafür braucht es viele Leute – und um welche anzulocken, eine nachhall-tige Werbekampagne.

Dafür hat man/ frau sich ein pfiffiges Werbevideo ausgedacht: Der Wald ist das beste Fitnessstudio, 24 Stunden offen und das bei null Euro Eintritt: Die Armmuskeln können beim Holzmachen und Stämme liften gestärkt werden, Hangeln und Klettern trainiert alle Muskeln . Barribauen sowie Weglaufen-üben fördern Konzentration und Kondition. Und das Alles-Miteinander-Füreinander-Tun das Bewusstsein.

Der ernste Hintergrund: Die Bauwirtschaft sieht die abgelegene Radeberger-Laußnitzer Heide als idealen Verfügungsraum für die Rohstoffgewinnung zugunsten der expansiven Ballungsräume in Mitteldeutschland. Auf einer Fläche von 700 Hektar sollen in den nächsten Jahrzehnten Sand und Kies abgebaut werden. Dafür müssen grosse Waldflächen gerodet werden . Deren -fragliche- Rekultivierung erfordert Jahrzehnte , wenn nicht Jahrhunderte. Aber auch anliegende, geschützte Moore sind betroffen: Durch den Kiesabbau sinkt der Grundwasserspiegel, was das Trockenfallen der Moore nach sich ziehen wird. Zudem ist teilweise die Verfüllung der ausgekiesten Flächen mit Bauschutt geplant – Gift für die empfindlichen Nassgebiete aufgrund Nährstoff- und Salzeintrag.
Durch die Zerstörung der Moore wird gebundenes CO.2 freigesetzt – und durch die mit dem Sand und Kies versorgte Bauindustrie jede Menge zusätzliches CO.2 erzeugt – die Bauwirtschaft zählt zu den CO.2.-intensivsten Branchen überhaupt.
Das kapitalistische System produziert eine zerstörerischen Ressourcenverbrauch – beides muss deshalb überwunden werden. Gerechteres Wirtschaften und miteinander-Leben fängt im Heibo an.

Die Besetzung befindet sich bei Würschnitz -das liegt nördlich von Ottendorf-Okrilla in einem Laub-Kiefern-Mischwald nahe der Abbruchkante einer Kiesgrube. Sie entstand Mitte August. Damals wurde eine erste Plattform mit dem Lastenfahrrad in den Wald gebracht. Seitdem ist eine umfangreiche Infrastruktur entstanden. Zu Rodungen oder einer Räumung in diesem Herbst kam es nicht, so dass sich die Besetzis jetzt auf das Überwintern vorbereiten:
Unterstützung ist gerne gesehen. Das „beste Fitnessstudio der Welt“ hat 24 Stunden für neue GästInnen geöffnet !

Hier ist die Website der Besetzung
und hier der Twitteraccount.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/09/fitnessstudio-dicht-und-kalt-komm-doch-lieber-in-den-wald/feed/
Protest von „Züge statt Flüge“ bei Sonderparteitag der SPD http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/04/protest-von-zuege-statt-fluege-bei-sonderparteitag-der-spd/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/04/protest-von-zuege-statt-fluege-bei-sonderparteitag-der-spd/#comments Sat, 04 Dec 2021 13:53:04 +0000 Administrator Flughafen & Region http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/04/protest-von-zuege-statt-fluege-bei-sonderparteitag-der-spd/ Das Bündnis „Züge statt Flüge“ hat heute mit direkten Aktionen in Berlin gegen die ablehnende Haltung der SPD gegenüber einem sofortigen Stopp der Ultrakurzstreckenflüge in Deutschland demonstriert.
Getragen wurde die Aktion von Attac und Bund sowie ihren Jugendverbänden als auch von Robin Wood. Klettererinnen befestigten mehrere Banner, auch an der Parteizentrale.

Für die Forderung, alle Flüge zwischen Zielen abzuschaffen, die binnen vier Stunden mit dem ICE erreichbar sind, wurden 70.000 Unterschriften gesammelt. Gefordert wird auch die Einstellung der Subventionen für den Luftverkehr, welche die Bahn im Wettbewerb benachteiligten.

Beim Koalitionsvertrag kamen nur vage Absichtserklärungen heraus. Die FDP und grosse Teile der SPD waren gegen die Forderung – und den Grünen war sie offenbar nicht wichtig genug, um sie zum Knackpunkt zu machen. Genau darauf sollte die Kampagne eigentlich zielen…

Die neue Koalition dürfte sich dann auch schon bald mit weiteren Aktionen des breiten Bündnisses für eine Verringerung des Luftverkehrs konfrontiert sehen. Auch die Rhein-Main – BIs sind dabei. Sie wünschen sich, dass das Terminal 3 politisch überflüssig gemacht wird. Auch in Frankfurt gibt es einen signifikanten Anteil von Kurzstreckenflüge. Etliche von ihnen – bis hin zur mittleren Kurzstrecke- könnten durch Fern- und Nachtzüge ersetzt werden.

Hier die PM von Robin Wood

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/04/protest-von-zuege-statt-fluege-bei-sonderparteitag-der-spd/feed/
Tagebau Garzweiler: Wenn das ewige Licht ausgeknipst wird http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/04/tagebau-garzweiler-wenn-das-ewige-licht-ausgeknipst-wird/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/04/tagebau-garzweiler-wenn-das-ewige-licht-ausgeknipst-wird/#comments Sat, 04 Dec 2021 13:17:46 +0000 Administrator Allgemein http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/04/tagebau-garzweiler-wenn-das-ewige-licht-ausgeknipst-wird/ In der Kampagne „Alle Dörfer bleiben“ gegen den Ausbau des Tagebaus Garzweiler spielt die basiskirchliche Initiative “ Die Kirche(n) im Dorf lassen“ eine wichtige Rolle. Auf den Beschluss des Bistums Aachen, zum ersten Advent drei Kirchen zu entwidmen, reagierte sie mit einer „Sitzenbleiben“ – Aktion : Gläubige , die aus anderen Gruppen des Anti-Braunkohle-Protests unterstützt wurden, weigerten sich, die Kirchen zum von der Kirchenführung festgesetzten Zeitpunkt zu verlassen.

Sowohl in Keyenberg, Kuckum als auch Berverath wurde die von oben eingeräumte Möglichkeit, von den Kirchen Abschied zu nehmen, zu politischem und auch antihierarchichen Protest genutzt. Es ist der Vorwurf an die Kirchenführung, in vorauseilendem Gehorsam gegenüber Landesregierung und RWE zu handeln anstatt die Chance zu nutzen, die Diskussion über die Aufgabe der Kirche in der Klimakrise voranzubringen.

Die Initiative ist ökumenisch organisiert und von den jahrzehntelang durchgeführten Friedensgebeten in Gorleben inspiriert. Allerdings ist das Wendland eine protestantische Gegend. Das Rheinland ist traditionell katholisch – und die zum Wegbaggern vorgesehen Kirchen sind es auch. Offener Protest gegen Leitungsentscheidungen ist traditionell unüblich oder äussert sich über Ablassventile wie den Karneval.

Um so wichtiger sind die konkreten Aktionen am Adventssonntag zu werten, als sich mehrere Gruppen der Aufforderung verweigerten, die Gebäude zu verlassen. Die Abschiedsöffnung der Kirchen fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen mit Security- Anwesenheit und striktem Fotografierverbot statt. Bilder gibt es – auf der Website der Initiative „Die Kirche()n im Dorf lassen“ trotzdem.

In mindestens einem Fall wurde seitens des Kirchenpersonals das Herbeirufen von Polizei angedroht, um das Hausrecht durchzusetzen. Es wurde dann aber eine eher deeskalative Linie gefahren und nach Kompromissen gesucht. Bespielsweise konnte ein „ewiges Licht“ symbolisch mitgenommen und weitergetragen werden, bevor es ausgeknipst wurde….

Die Initiative betreibt auch die „Eibenkapelle“ in Lützerath,. Das ist eine Naturkirche, die im Zuge von der Errichtung von Protestinfrastruktur in dem bedrohten Ort entstanden ist. Sollte Anfang Januar nach einer juristischen Entscheidung der Weg für eine Inbesitznahme und damit der Räumung von Lützerath frei sein, könnte sie eine wichtige Rolle für den Widerstand spielen.

Wie stark ordinierte Personen bei den Protesten mitwirken, lässt sich schwer sagen – das zeigt sich anders als beim pastorInnengeprägten Kampf gegen“Stuttgart 21″. Bei den „Katholen“ ist eine Einstellung “ Lieber heimlich das richtige tun , anstatt offen darüber zu reden und es dann nicht mehr tun zu dürfen“ weit verbreitet.

Auch am heutigen Samstag vor dem zweiten Advent findet eine Veranstaltung von „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ statt. Es findet eine Andacht am gerodeten „Bochheimer Wäldchen“ bei Manheim am Tagebau Hambach statt. Die RWE hat es roden lassen um Kies und Sand für Sicherungs- und Rekultivierungsarbeiten abbauen zu können. Dabei gewinnt RWE seit Jahren Sand und Kies beim Aufschluss des Tagebaus – und vertreibt ihn gewinnbringend über örtliche Kiesunternehmen. Genehmigt wurde die Massnahme vom Land NRW über das Bergrecht. Die Rodung des 4-Hektar-Wäldchens ist deshalb so schmerzlich, weil es in Überlegungen, den Hambacher Forst über eine Brücke mit der Steinheide zu verbinden und damit zu stabilisieren, eine wichtige Rolle gespielt hat.
Die Rodungsaktion wurde kaum von der Polizei, dafür aber massiv von RWE Security abgesichert. Basis der Aktion war im Bereich der berühmten Michael-Schumacher-Cartbahn. Ein Appell von Peter Wohlleben „RWE, erkenne doch bitte die Zeichen der Zeit und höre bitte auf damit“ im Vorfeld der Rodung verhallte unerhört.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/04/tagebau-garzweiler-wenn-das-ewige-licht-ausgeknipst-wird/feed/
Hessengrüne wollen Bannwaldschutz für den Bau von Fahrradautobahnen aufheben http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/01/hessengruene-wollen-bannwaldschutz-fuer-den-bau-von-fahrradautobahnen-aufheben/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/01/hessengruene-wollen-bannwaldschutz-fuer-den-bau-von-fahrradautobahnen-aufheben/#comments Wed, 01 Dec 2021 11:38:13 +0000 Administrator Flughafen & Region http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/01/hessengruene-wollen-bannwaldschutz-fuer-den-bau-von-fahrradautobahnen-aufheben/ Auf der letzten Sitzungsperiode des Hessischen Landtages wird wahrscheinlich auf Initiative der Hessengrünen über eine Gesetzesnovelle „Gesetz zur Stärkung des Schutzes des Bannwaldes in Hessen“ abgestimmt werden. Leider sieht der Entwurfstext nicht nur eine Einschränkung der Möglichkeiten zum Kiesabbau in Bannwäldern, sondern auch eine Aufhebung des Schutzes für den Bau sogenannter „Fahrradschnellwege“ vor.

Fahrradschnellwege sind mindestens vier Meter breite, asphaltierte, kreuzungsfreie , beleuchtete und mit 45 Kilometern/Stunde als Spitze befahrbare Strassen neuen Typs.

Die Grünen führen an, die Aufhebung des Bannwaldschutzes wäre nötig, um solche Strassen beispielsweise zwischen Frankfurt und dem Flughafen bauen zu können.

Ein erster aktueller Konfliktpunkt, wo von interessierter Seite – einem Bündnis von Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach und dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Langen – konkret die Aufhebung des Bannwaldschutzes eingefordert wird, befindet sich zwischen Langen und Neu Isenburg.
Hier wird der Ausbau der sogenannten „Sommerroute“ gefordert. In 35 Minuten kann man über diese Piste in Frankfurt sein.

Die Grünen argumentieren, es müssen zwischen Naturschutz und Umweltschutz abgewogen werden. Waldschutz stünde gegen Umweltschutz in Form der Verkehrswende, die dem Wald zu Gute käme. Leider hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in seiner Stellungnahme zur Gesetzesnovelle diese Argumentation übernommen.

Dabei handelt es sich eher um einen Konflikt zwischen Natur- und Umweltschutz auf der einen und wachsenden Begehrlichkeiten für den Bau schneller , siedlungsferner, radialer und direkter Verkehrsverbindungen auf der anderen Seite. Es geht um ein massiv steigendes Verkehrsaufkommen, welches durch ein verändertes Mobilitätsverhalten und grosse Siedlungserweiterungen ausgelöst wird.

Das zeigt sich zum Beispiel an der Stadt Langen, die im Westen über das Programm der Landesregierung „Grosser Frankfurter Bogen“ massiv ausgebaut und verdichtet wird. Da will man eine direkte Pendlerinnenverbindung nach Frankfurt – durch den Wald. Damit soll auch der Entwicklung Rechnung getragen werden, dass der individuelle Pendelverkehr derzeit stärker wächst als der öffentliche Verkehr. Er verbraucht nach Statistiken aber auch mehr Platz.

Die Grünen räumen den Wunsch, den Verkehrsdruck über neue Verkehrsachsen auf Kosten des Waldes ableiten zu wollen, auch indirekt ein, wenn sie nach dem Gesetz Eingriffe in den Wald nach Potenzialanalyse erst ab einem Aufkommen von mehr als 1500 Fahrten/Tag zulassen wollen.

Für schnöden Pendlerinnenverkehr Wald opfern zu wollen, ist aber der falsche Weg . Der Wald wird- analog zu seiner im Bannwaldgesetz beschworenen Wohlfahrtsfunktion- angesichts wachsenden Einwohnerinnenzahlen für die Erholung und auch Nahbereichsmobiltät gebraucht. Seiner vielfältigen Nutzung muss auch eine vielfältige Nutzungsmöglichkeit der Wege entsprechen – also nix Hochgeschwindigkeit und Aspaltierung, sondern ein Miteinander von Radlerinnen und Spaziergängerinnen. Und Tieren.

Schneller individueller Elektroverkehr gehört im Zuge der Energie- und Verkehrswende siedlungsnah geführt und möglichst auf Bestandsstrassen. Sprich: So wenig neue Versiegelung wie möglich.

Das Bannwaldgesetz sieht als Grund für den besonderen Schutz auch die Erhaltung von Kaltluft- Entstehungszonen zum Schutz des Regionalklimas vor. Hier zeigt sich eine weitere Schwäche der Novelle: Kaltluftentstehungsgebiete sind insbesondere die Übergangszonen zwischen Wald- und Wiesengemarkungen. Letztere werden aber ungebremst zugebaut und versiegelt – sie sind ja kein Bannwald. Aber nur eine integrierte Regionalplanung und Flächensicherung kann die Lebensqualität in der Region erhalten und die weitere Aufheizung und Austrocknung aufhalten.

Leider kann durch den Fahrradschnellweg- Passus tendenziell mehr Wald fallen und insbesondere durch Zerschneidung entwertet werden als über den Passus, die Kiesabbauaktivität einzuschränken , gesichert wird. Dieser Passus zielt vor allem auf die Kiesgrube Mitteldorf. Ihr soll die Förderung darüber verboten werden, dass nach dem Gesetz künftig eine „wohnortnahe Versorgung“ hinter das Primat des Klima- und Waldschutzes zurücktreten muss.

Die Linke wird einen Erweiterungs. und Änderungsantrag stellen – genauso wie schon 2014- mit dem der weitere Flughafenausbau ausgeschlossen wird.

Das geht unter anderem auf eine Forderung des BUND zurück. Der räumt aber ein, dass das hessische Waldgesetz nicht ausreichen dürfte, ein Projekt von bundesweiter Bedeutung auszuhebeln. Der BUND wünscht auch, dass der Flughafen Flächen, die zur betrieblichen Abwicklung nicht mehr gebraucht werden ( A 380 Halle) wieder in Bannwald rückverwandelt werden.

Leider gar keine Auswirkung hat die Novelle – die in ihrem „Rohstoffteil“ ja zu begrüssen ist ( obwohl och nicht klar ist, ob sie rechtsfest ist) auf den weiteren Ausbau der Kiesgrube Langen. Hier steht für Februar die nächste Rodung an . Regierungspräsidium und Umweltministerium könnten das wegen nicht erfüllter Auflagen vermutlich verhindern. Es scheint aber, das sie das gar nicht wollen – für den Neubau von 200.000 Wohnungen für das Projekt “ Grosser Frankfurter Bogen “ wird jede Menge Kies benötigt.
Wir brauchen eine Neufassung des Bergrechts und auch eine massive Ausweitung der als Bannwald deklarierten Anteile des Waldes.
Wir brauchen mehr Bannwaldschutz anstatt weniger.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/12/01/hessengruene-wollen-bannwaldschutz-fuer-den-bau-von-fahrradautobahnen-aufheben/feed/
Bericht von der Free Ella Demo am 26.11. in Frankfurt http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/29/bericht-von-der-free-ella-demo-am-26-11-in-frankfurt/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/29/bericht-von-der-free-ella-demo-am-26-11-in-frankfurt/#comments Mon, 29 Nov 2021 12:35:21 +0000 Administrator Allgemein Flughafen & Region http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/29/bericht-von-der-free-ella-demo-am-26-11-in-frankfurt/ Hier folgt eine kleine Zusammenfassung der Free Ella Demo in Frankfurt. Ganz knapp gesagt: Wenig Leute und viel Inhalt. Und sehr kämpferisch-feministisch.

Die Homburger Landstrasse im Frankfurter Stadtteil Preungesheim versprüht lummerig-gemütlichen Vorstadtcharme. Der nimmt aber deutlich ab, je weiter es nach Süden- immer an der Wand lang – zum Kundgebungsort der Free Ella Demo geht. An einer Häuserwand hängt ein Plakat: „Rettet Sankt Christophorus vor dem Abriss.“ Die gegenüber gelegene „Justizvollzugsanstalt 4″ ist eine kleine Stadt in der Stadt. Hier sitzt jetzt seit genau einem Jahr die“ UWP 1 (unbekannte weibliche Person 1)“ ein. Weil das nicht besonders schön klingt, heisst sie für die Szene „Ella“.

Der Kundgebungsplatz ist ein kleines Areal an der Südwestecke des Gefängnistrakts, hier steht ein grosser, kahler Baum, welcher der Grund dafür sein dürfte dass hier bislang nichts versiegelt ist. An der Ecke geht die Strasse „Auf der Platte“ ab. Es ist jetzt 18 Uhr, es wird recht laut, „St. Christophorus“ beschallt trotzig mit dem Abendläuten Umgebung und JVA.
„Stellt euch mal nach Stimmen auf, wir müssen nochmal das „Ella-Lied“ proben“ , ruft ein Mensch unter dem kahlen Baum in das Glockengeläut hinein, der leicht als Chorleiter von „Lebenslaute“ zu identifizieren ist. Heute hat er die Aufgabe, zwei Chöre -den von der Regionalgruppe Hessen und den zweiten von der Regionalgruppe Rhein-Ruhr – in Gleichklang zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, denn in Hessen kursiert eine andere „Ella“-Version als in NRW. Entsprechend schräg klingt es auch zunächst, wird aber schnell besser.
Im Chor überwiegen die Frauen mit mehr als Dreiviertelstärke. Zeit zum Proben haben sie noch, es sind noch nicht viele Leute da, und so richtig viele werden es auch nicht werden . Das ist nicht besonders schön gegenüber dem Gastchor, der mehrere Stunden lang angereist ist. Um halb Sieben sind es vielleicht sechzig. Bereits am Nachmittag hatte es eine Parallel- oder Konkurrenzdemo gegeben, die unter dem Hashtag „Ökologisch-Radikal-Links zeichnet und als Lärmdemo angekündigt hat. Ob das viele Leute gekostet hat ? Wohl eher nicht.

Hier nun aber eine Zusammenfassung der Reden, sofern die Erinnerung noch getragen hat. Zwischen den Wortbeiträgen gab es jeweils Darbietungen vom Lebenslaute Chor nebst Orchester.

Das Intro machte Kathinka von Lebenslaute. Sie erklärte die Regularien ( Abstand 1,5 Meter, Maske auf wenn nicht aktive Sängerin/Sprecherin, Passanten passieren lassen) sprich Demo-Auflagen.
Dann streifte sie kurz den Bezug von Lebenslaute zu diesem Ort, den Auftakt machte letzten Spätherbst eine Soli-Demo für die DemonstrantInnen, die wegen den Autobahnbrücken-Anseilaktionen inhaftiert waren. Danach hat es fast kontinuierlich , anfangs sogar wöchentlich, Demos in Zusammenarbeit mit anderen Soli-Gruppen gegeben.
Es sei der Wunsch on Ella, dass die heutige Aktion zu ihrer einjährigen Inhaftierung nicht nur ihre Person, sondern auch die Solidarität mit all den anderen Inhaftierten im Blick haben sollte. Später würde es eine Demo entlang der Gefängnismauer geben, laustark und mit viel Lichtern, damit das von drinnen wahrnehmbar sei. Mit der Inhaftierung von Ella olle die gesamte Umweltbewegung eingeschüchtert werden. Das werde aber nicht gelingen.

Waltraut Verleih ist Rechtsanwältin und sprach über ihre Rolle als Verteidigerin von Ella.
Zunächst stellte sie den historischen politischen Bezug der Umstände der Verhaftung von Ella vor. Diese sei durch ein Sondereinsatzkommando erfolgt. Deren Geschichte sei ausgehend von der GSG 9 durch die Terrorbekämpfung geprägt. Etwa später auch das Vorgehen gegen Wolfgang Grams oder Birgit Hogefeld.
Sie sei von Ella ermächtigt worden zu sprechen. Das sei ihr sehr wichtig zu sagen, weil allein Ella das Recht hätte zu bestimmen was ihre Verteidigung über sie und ihr Verfahren berichtet. Sie sei schliesslich Subjekt, nicht Objekt des Verfahrens. Sie spreche, weilElla sie damit beauftragt hätte.
Ella bitte darum, ihre Situation immer im Zusammenhang mit den anderen Gefangenen zu sehen, die genauso von den Umständen betroffen wären. Es hätte ein paar kleine Erleichterungen gegeben – eine hellere Zelle anstatt dem bisherigen dunklen Loch und ein zweiter, ebenfalls einstündiger Besuchstermin im Monat.
Das sei aber eine schwierige Sache, weil, da Ella auf Englisch kommuniziert, ein Dolmetscher seitens der Anstalt bei Gesprächen dabei sei.
Das Sprachproblem beträfe auch ihre Arbeit als Anwältin, Sie müsse die Gegenstände des Verfahrens in Englische transkribieren. Und es müssten umgekehrt deutsche Ausdrücke für englisches politisches relevantes Vokabular gefunden werden, die nicht sinnverändernd seien.
Es ginge auch darum, den Prozessablauf transparent zu machen. Die Strafprozessordnung enthalte das Recht, Stellungnahmen zu Inhalten abzugeben, die andere Verfahrensbeteiligte eingebracht hätten. Die Stellungnahmen müssten zusammen mit Ella diskutiert und übersetzt werden.
Es würde im Blick auf das Berufungsverfahren auch an einer Feststellungsklage gearbeitet um nachzuweisen, dass die Art und Weise der Räumung rechtswidrig gewesen sei.
Ella hätte folgende Botschaft mitgegeben (nicht wörtlich, nur sinngemäss wiedergegeben):
„Ich danke allen Menschen die sich heute an diesem Ort hier versammelt haben mit der gemeinsam kämpfen für und mit einer Vorstellung , wie viel liebevoller die Welt auch für all die anderen Gefangenen hier sein könnte.“

Dann sprach Christoph, ein Redner für die Gruppe der Ü 60 aus dem Dannenröder Wald. Er sei jetzt 70 Jahre alt. Aber eine solche Invasion, wie es sie ab dem 5.10 2020 für drei Tage in seinem Heimatdorf Maulbach gab, könne er nur mit dem Einmarsch der Amerikaner im Jahr 1945 vergleichen.
2000 Polizisten hätten den Ort besetzt und regelrecht belagert. Aus seiner Sicht hätte das dem Ziel dienen sollen, den Widerstand gleich am Anfang einzuschüchtern und zum Erliegen zu bringen. Im Gegenteil habe es ihn aber befeuert.
Gleich am Anfang hätte die Polizei die Mahnwache abgedrängt und die Bürgis zusammengetrieben und schliesslich alles hermetisch abgeriegelt. Für viele sei das eine traumatische Erfahrung gewesen.
Es seien nur wenige Menschen in den Bäumen gewesen. Einer der Demonstranten habe die Klettercops gefoppt und sei ihnen immer wieder weggeklettert. Die Reaktion der Polizei nach der Festnahme sei gewesen, aus Rache dessen mindestens 800 Euro wertvolles Kletterzeug zu zerschneiden.
Er habe seinen Kinderglauben, dass die Polizei für Recht und Ordnung da sei, verloren. Die halbe Wahrheit (der Polizei – Öffentlichkeitsarbeit) sei eine ganze Lüge. Spätestens habe er das erkannt, als er gesehen habe, dass die Polizei nicht nur Sachbeschädigungen sondern auch Übergriffe auf Personen durchgeführt habe. Da sei nicht nur das Verletzen einer kirchlichen Beobachterin, zwei DemonstrantInnen seien fast zu Tode gekommen, als Seile gekappt wurden. Die Ermittlungen in diesen Fällen wurden ziellos geführt, ganz im Gegensatz zu Ella. Man solle nicht sagen, daß das dem Charakter nach ein militanter Widerstand gewesen im Wald. Die Leute im Wald hätten die Bürgis förmlich angefleht, als Zeugen für Öffentlichkeit zu sorgen. Wer fest auf einem Baum sässe, und sein Leben für den Wald einsetze, würde nicht von oben mit Brocken herunter werfen.
Er wolle aber die Polizei nicht pauschal verdammen, er habe auch Szenen gesehen wo Polizisten -menschliche-Hilfeleistungen gemacht hätten. Die Polizei habe die Drecksarbeit gemacht für eine Politik, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hätte. Er könne seine Aktivität aber nur mit Unterstützung anderer durchführen, etwa seiner Frau, die ihm heimleuchte . (Frau lacht, sie beleuchtet das Redemanuskript mit einer selbstgebastelten Laterne). Auf der Leuchte hat sie „Ella-der Film“ geschrieben, um Werbung für den guten Aufklärungsfilm zu machen.
Er sei als Alter gerührt von den jungen Leuten, die ihre Körper einsetzten für die Zukunft der Welt.

Es gibt von Christoph auch einen Beitrag zum Wasserthema. Es sei beunruhigend, dass das Thema Trinkwasserschutz hier in Frankfurt immer noch kein grosses Thema sei. Bei Stadtallendorf hätte die grösste Sprengstofffabrik Europas gestanden und die Altlasten ären noch im Boden und würden jetzt im Zuge das Autobahnbaus angegraben. Und das in einem Trinkwasserschutzgebiet, auf dem früher nicht mal eine Kuh hätte grasen dürfen. Da frage man sich : Wer führe so wetwas durch und warum? Es läge an der kapitalistischen Produktionsweise. Die frage nicht, was brauche man zum Leben, sondern danach, was brauche man für mehr Gewinne – Neue Autobahnen, zum Beispiel.

Dann berichtet „Dino“ kurz für die Gruppe aus dem Dannenröder Wald. Für sie sei das eine echte Premiere. Sie rede das erste Mal auf einer Demo, sonst mache sie eher Versorgung. Was sie jetzt täten ? Sie reisten von einem Prozess zum nächsten und machten Unterstützung ,Versorgung. Viele knabberten an einem Prozess. Es würde stark repressiert. Das sei ein Indiz dafür das Angst entstehe , aber nicht bei den AktivistInnen, sondern auf der Gegenseite. Der Danni sei und bleibe ein wichtiger Ort, der Leute auffängt und Solidarität und Zusammenhalt schaffe.

Anschliessend gibt es einen Bericht aus der Besetzung am Teufelsbruch gegen die Autobahn A 66. Der Redner bittet darum , dass alle Kameras ausgeschaltet werden. Er beginnt: Es gibt ein gemeinsames Narrativ von „Free Ella“ und der Besetzung: Antispeziismus- gegen alle Knäste, Knäste für Menschen als auch für Tiere. Dafür stand auch das Barrio Nirgendwo. Freiheit für Alle, dass alle frei sind und sich nicht gegenseitig unterdrücken. Total Liberation, freedom for all.
Wenn ein Wald von drei Autobahnen eingekreist ist, wird er zum Knast für Tiere.
Was aktuell im Wald anstünde: Wir haben die Rodung um ein Jahr verzögert – und damit das Danni Szenario – ein Jahr Zeit, ein selbstbestimmtes Zusammenleben zu proben und Widerstand zu organisieren – kommt vorbei, etwa an der Mahnwache an der Kruppstrasse, wir freuen uns, wenn dort Workshops angeboten werden.
Gerade sind wir unter Druck, es sind Hakenkreuzschmierereien aufgetaucht, bei uns in der Nähe ist das Quartier der grauen Wölfe, wir freuen uns über Verstärkung.

Dann gibt es einen Beitrag einer Gruppe, die Widerstand gegen die Genehmigungspraxis des Bundesamtes für Rüstungsexportkontrolle in Eschborn organisiert hat und wegen einer direkten Aktion im letzten Jahr dort jetzt einige Strafverfahren hat – das nächste am jetzigen Montag in Höchst. Der Export von Waffen sei eine verschärfende Komponente im Klimawandel. Die Zerstörung der Natur und sozialer Strukturen schaffe Fluchtursachen, und die Reaktion darauf sei die Grenzen militärisch abzuriegeln. Menschliche Grundbedürfnisse und die Wahrnehmung von Menschenrechten würde kriminalisiert.

Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit dem Verhältnis politischer mit sonstigen Gefangenen. Es sei nicht so einfach, da eine Grenze zu ziehen. Sei nicht auch die Person, die wegen Schwarzfahren einsitze, ein/e Vorkämpferin für kostenlosen Nahverkehr ? Und sei nicht auch die Person, die wegen Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetzes einsitze, eine Kämpferin für das Recht, die Rausch- und Genussmittel frei zu wählen ?
Knast sei ein Unterdrückungssystem, welches ungerechte Zustände legitimiere und zementiere. In einer Gesellschaft, wo die Mittel gerecht verteilt wären , gäbe es nicht den Zwang, Eigentumsdelikte so hart zu bestrafen. Menschen nähmen sich was bräuchten und nicht bekämen, ihnen das vorzuenthalten sei wirklich asozial – nicht die Handlung der Leute. Letztlich habe jede Gesellschaft die Krininalität, die sie verdiene….

Die letzte Rede kam von Anja und wurde wegen fortgeschrittener Zeit auf dem Rückweg des Demozugs entlang der Mauer abgehalten. Sie sagte, das Gebot der Stunde sei Ökofeminismus.
Im Danni hätte es den Spruch gegeben:

Not our bodies
Not our planet
is to be dominated.

Die unterdrückende Macht, die nun mal leider überwiegend von Männern ausgehe, müsse gebrochen werden. Deshalb ziehe sie auch die Verbindung vom heutigen „Free Ella-Tag“ zum 25.November, das sei der Tag der Gewalt gegen Frauen.
Die Ursachen von Kapitalismus, Sexismus und Rassimus lägen in der Herrschaft des Patriarchats.

Die Veranstaltung dauerte kurze zwei Stunden und endete mit einer Spontansession von Lebenslaute. Ist auch auf deren Site zu sehen.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/29/bericht-von-der-free-ella-demo-am-26-11-in-frankfurt/feed/
Corona Airlines http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/27/corona-airlines/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/27/corona-airlines/#comments Sat, 27 Nov 2021 16:09:58 +0000 Administrator Allgemein http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/27/corona-airlines/ Über den Frankfurter Flughafen soll die neue Südafrika-Mutante „Omikron“ des Covid-19 Virus nach Hessen eingeschleppt worden sein. Der Luftverkehr fungiert wieder einmal als Hyperspreader: Je schneller die Fortbewegung ( des Virus) in der Luft , um so sicherer der totale Stillstand am Boden.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das neue Virus schon unrückholbar ausgeflogen. Bis die Variante analysiert und bewertet ist und reagiert werden kann, braucht es einfach zu lange. Da werden Erinnerungen an den bizarren Katastrophenfilm „Twelve Monkeys“ wach. In diesem Film wird ein tödliches Virus nahezu zeitgleich in den wichtigsten Metropolen der Welt freigesetzt . Die Nervosität ist nach einem ersten Fall auch in Hong Kong gross, das aufgrund der dichten Besiedlung besonders anfällig für die schnelle Ausbreitung von Infektionskrankheiten ist.
In den Niederlanden wurden am Flughafen Amsterdam von 600 Südafrika-RückkehrerInnen knapp 60 positiv auf Corona getestet – ein massiv hoher Wert.

Minister Klose verkündete auf Twitter, es gäbe erst einmal keine weiteren Informationen über den hessischen Verdachtsfall. Die betroffene Person sei in häuslicher Quarantäne . Das mindert natürlich nicht die Unsicherheit all derer, die sich in den letzten zwei Tagen auf dem Frankfurter Flughafen aufgehalten haben. Insbesondere das Bodenpersonal an den Gates ist unter massivem Stress.

Unterdessen wurde in Frankfurt auf dem Weihnachtsmarkt auslassend gefeiert. Allerdings hat auch -coronakonform- die Zahl der Glühweinstände gegenüber dem übrigen Angebot massiv zugenommen. Die Zeiten sind nach einem kleinen Tröster. Klug ist der Alkoholkonsum nicht. Nur 100 Meter weiter sperrt der Wirt einer Traditionsgaststätte mangels Besuch bereits um 21 Uhr die Tür zu. Er sagt: “ Nebenan wird exzessiv gefeiert, mein Publikum bleibt unter den gegebenen Umständen zu Hause, Da ist der tötale Lockdown nächste Woche fast schon vorprogrammiert“

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/27/corona-airlines/feed/
Free Ella Demo am 26.11.in Frankfurt http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/23/free-ella-demo-am-26-11-in-frankfurt/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/23/free-ella-demo-am-26-11-in-frankfurt/#comments Tue, 23 Nov 2021 16:49:44 +0000 Administrator Repression Über den Tellerrand http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/23/free-ella-demo-am-26-11-in-frankfurt/ Am Freitag, den 26.11.2021 findet vor der Justizvollzugsanstalt Frankfurt-Preungesheim um 18 Uhr eine Solidaritätsdemo für die seit einem Jahr inhaftierte Umweltaktivistin „Ella“ statt.

Vor genau einem Jahr fand über mehrere Tage die Räumung des Baumhausdorfes „Nirgendwo“ statt. In deren Verlauf wurde die Aktivistin, die aus politischen Gründen bis heute anonym bleiben will, von SEK-Beamten festgenommen.
In erster Instanz wurde sie zu einer mehr als zweijährigen Haftstrafe verurteilt, die Berufungsverhandlung steht ab Januar vor dem LG Giessen an.

Hier ein Demo-Aufruf , im Text sind auch die Verhandlungstermine in Giessen angehängt.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/23/free-ella-demo-am-26-11-in-frankfurt/feed/
Thomas Carle stellt seinen alten Startbahnstreifen vor http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/thomas-carle-stellt-seinen-alten-startbahnstreifen-vor/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/thomas-carle-stellt-seinen-alten-startbahnstreifen-vor/#comments Sat, 06 Nov 2021 17:53:09 +0000 Administrator Flughafen & Region http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/thomas-carle-stellt-seinen-alten-startbahnstreifen-vor/ Mittwochabend in Walldorf. Es ist beinahe die Stimmung eines Relaunchs , die der Vorführung des schwarz-weissen Dokustreifen „Fesseln spürt, wer sich bewegt“ anhaftet. Im gut gefüllten Kino warten die Silver-Ager auf den Filmstart, Jossy moderiert an.Ohne Jossy gäbe es die Startbahn- Gedenkwoche nicht. Die Kinobetreiber vom Lichtblick meinen : Die gute Nachricht ist , dass wir eine Überspielung von dem originalen Magnettonfilm haben, Die schlechte Nachricht ist, dass die Qualität ziemlich miserabel ist. Da steht der Filmemacher Thomas Carle im Publikum auf, und hält einen Stick hoch : Ich glaub, ich hab da etwas Besseres……

Also läuft der Streifen dann in einwandfreier Digitalqualität ab – beeindruckt hätte er sicher auch in verwaschenerer Qualität. Nach Filmende gibt es erst mal Stille und dann einigen Beifall.
Dann beginnt eine Fragerunde. Die Frau von Thomas Carle , die aus dem Hintertaunus mitgekommen ist, übernimmt die Moderation.

Wie das gekommen wäre, dass Carle das Filmprojekt gemacht hätte ? Auf die Startbahn sei er als damaliger Wahlberliner gekommen, weil Leute für eine Motorradgruppe im Räumungsfall gesucht wurden. Als einige BI-Leute erfuhren, dass er an der Filmakademie studiert, hätten sie gemeint: Hey, mach hier doch mal einen Film !

Wie es käme, dass ein so dichter und spannender Film herausgekommen ist ? Da wäre einiges zusammengekommen, hätte sich entwickelt, und es hätte auch eine Entwicklung und Dynamik gehabt. Dokus zu machen, sei damals nicht so populär gewesen wie heute. Er käme aus der Fotografie und das wäre sein erster Film gewesen. Im Grunde wäre das von der Regie ja irgendwie klar gewesen: Einstellung auf Person am Lagerfeuer, dann Grossaufnahme vom Lagerfeuer, Gesichter, dann Totale. Aber so einfach wäre es dann doch nicht gewesen , was man an einigen Wackelschwenks ja sehen könnte. Zudem hätte er gleich am Anfang den grössten Teil vom Filmmaterial verbraucht. Da hätten ihm dann Leute, die am Hüttendorf einen Spielfilm drehten, mit Material ausgeholfen.

Er hätte dann später ja noch weitere Filme an der Startbahn gemacht, „Tödliche Schüsse“ und bald darauf „Wertvolle Jahre“.

Er habe mit Leihkameras von der Filmakademie gearbeitet. Das wären damals grosse, schwere Geräte gewesen. Und dann sei das passiert, wovor sich die Studierenden an Filmakademien fürchten: Beschädigte Kameras zurückzugeben müssen . An der Startbahn sei ihm das zwei Mal passiert , als er mit der Kamera dicht am Geschehen dran gewesen wäre. Einmal hätte ein Wasserwerferstrahl direkt vor ihm aufgeschlagen und mit Wucht Dreck und Schmodder in die Kamera gespritzt. Das sei auch im Film zu sehen.
An der Filmakademie hätte es einen Zeugwart gegeben, der bei den Studierenden gefürchtet gewesen wäre, ein älterer Mann im weissen (Feinmechaniker-) Kittel. Da hätte er mit Bammel das beschädigte Gerät abgegeben und nur gehofft, das es kein Nachspiel hat. Das war aber nicht so, der Mann hätte sich als Naturschützer zuerkennen gegeben und ihm beiläufig gesagt, dass er einiges an Arbeit investiert hätte, damit die Kamera wieder läuft…

Es ist auch ein Kind im Publikum ! Es wird gefragt: Hat Dir der Film gefallen? „Ja, und meine Eltern haben mir auch schon einiges von früher erzählt.“

Ob es noch mehr Material gäbe, das unveröffentlicht wäre ? Thomas Carle meint: Oh ja , bestimmt mehr als eine Stunde . Da könnte man ja mal eine Langfassung machen. Darauf seine Frau: „Dafür hast Du doch eh keine Zeit“ – Nun, so das Paar, vielleicht fänden sich ja Leute, die daran Interesse hätten….

Es meldeten sich auch welche. So besteht Hoffnung, den Film noch einmal in einem richtigen Relaunch mit Neupremiere zu erleben…

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/thomas-carle-stellt-seinen-alten-startbahnstreifen-vor/feed/
Die Räumung des Hüttendorfs gegen die Startbahn West Zweiter Teil http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/die-raeumung-des-huettendorfs-gegen-die-startbahn-west-zweiter-teil/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/die-raeumung-des-huettendorfs-gegen-die-startbahn-west-zweiter-teil/#comments Sat, 06 Nov 2021 16:19:24 +0000 Administrator Flughafen & Region Geschichte http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/die-raeumung-des-huettendorfs-gegen-die-startbahn-west-zweiter-teil/ Die Polizei benötigte mehr als zwei Tage, um das schnell eingenommene Hüttendorf abzuräumen . Das hing damit zusammen, dass sie nur über begrenzte Ressourcen an Technik und Personal verfügte, um das weitläufige Areal abzusichern – der Bau der Betonmauer kam nur langsam voran. Es wurden auch weit mehr Polizeikräfte in der City und im Umland benötigt als erwartet.
Deshalb gibt es auch vom Dienstag, den 3.11. 1981 noch einen Erfahrungsbericht von direkt vor Ort.

Dienstag, der 3.11.1981

Die Nacht verbrachte ich zum Teil auf einem Baum. Von dort konnte ich gefahrlos (?) die diversen Polizeiaktionen beobachten. Immer wieder stürzten kleine Trupps in den Wald und prügelten auf dort herumstehende Leute ein. Ein Einsatzleiter rief: „IHR seid die Faschisten-Wir verteidigen die Demokratie“ In die andere Richtung gab es „Mörder ! -Mörder !“ Sprechchöre.

Einmal schoss einer der Schläger über das Ziel hinaus und befand sich alleine in einer Gruppe von Demonstranten. Ihm wurde kein Haar gekrümmt als er wieder abzog.
Gegen Mitternacht beruhigte sich die Szenerie und ich stieg vom Baum herunter. Vom Hüttendorf drang Knirschen und Krachen – die ersten Hütten wurden plattgewalzt.
Gegen fünf Uhr war auch die Regenbogenhütte dran. In zwei Minuten war alles kaputt was wir in zwei Monaten aufgebaut hatten. Der Bagger-Greifarm frass sich ins Hüttendach, hatte jedoch einige Mühe damit, weil es nicht auseinanderbrach. Vor der stehengebliebenen westlichen Hüttenwand sassen Polizisten in unseren Sperrmüllmöbeln und entfachten sich ein Feuer.

Wachwechsel. Am westlichen Dorfausgang ist jetzt BGS stationiert. Erschütternd ist, dass etliche der martialisch ausgerüsteten Grenzschützer noch richtige Kindergesichter haben. Einer wird von einer Walldorfer Protestoma angeherrscht: „Warum machst du sowas, ich könnte deine Grossmutter sein!“ Heulend wird er dann hinter die Linien gebracht.

Andere bemühen sich ihre Nervosität zu überspielen indem sie unser Seyfried-Polizeischild „Wir dürfen hier nicht rein“ abschlugen oder auf der Barriere wippten .
Es war inzwischen hell geworden, der Bagger tobte sich im hinteren Teil des Geländes aus. Nur wenige Startbahngegner waren da, darunter Doro, die ungeheuer trauerte und getröstet werden musste.
Vom Nato- Stacheldraht angelte ich ein Instrument von Klaus, dem Geiger. Hoffentlich hatte ihm der Wasserwerferbeschuss vom Vorabend nicht zu sehr zugesetzt. Meine Utensilien waren alle noch in der Mainzer Hütte. Mich interessierten sie jedoch überhaupt nicht. Hinter dem Graben stank es entsetzlich nach Tränengas. Viele Blätter hatten sich davon braun verfärbt und waren abgestorben.

Gegen neun zieht eine Polizeikette entlang der Faularmschneise auf. Anscheinend wollen sie Geländegewinne machen. Unklar ist nur, ob sie das Gelände südlich oder westlich des Dorfes abriegeln wollen – oder gleich alles. Alex hat bei der Polizei mitgehorcht dass nur das kleinere Areal zwischen Faularmschneise, Grenzweg und Ochsenlagerschneise eingenommen werden soll da es an Polizeikräften mangelt ( die wohl in Frankfurt eingesetzt sind). So gelingt es der Polizei uns die wir westlich der Faularmschneise stehen auszugrenzen und das Areal am südlichen Dorfrand dicht zu machen. Ich hocke vergeblich auf meinem Baum, den ich „(in)bestandbesetzt“ habe.

Im Grunde war es plausibel zuerst den Südrand des Dorfes abzusperren und die Absperrungen vorzuziehen da der Südrand vor allem nachts extrem schwer zu kontrollieren und einzusehen ist.

Mittags werden die am westlichen Dorfrand stehenden Hütten unter dem wütenden Protest der inzwischen wieder angewachsenen ohnmächtig verharrenden Menschenmenge niedergemacht. Monze gelingt es noch unter Duldung der Polizei Gegenstände aus den letzten Hüttenrauszuholen. Die Schreiberei wird mit der ganzen Büchersammlung plattgewalzt ( Vor der Literatur hatten die Machthaber noch niemals so viel Respekt wie vor Gott – die Hüttenkirche wird „nur“ demontiert )

An dieser Stelle sei nach vierzig Jahren ein Einschub in den Text von 1981 erlaubt : Den Respekt vor der Hüttenkirche und vielleicht auch vor Gott hatten die Machthaber damals auch nicht – eher schon die Juristinnen. Und die Kirche ist in Rechtsfragen damals versierter gewesen als wir Anarchas.

Es hatte seinen Grund, dass sich damals an der stehengelassenen Hüttenkirche inmitten des Trümmerfelds Walldorfer BürgerInnen aufhielten, was uns damals verwunderte und auch ein wenig ärgerte: Sie hatten sich das Betretungsrecht erklagt.
Nach Beginn der Dorfräumung hatte die Kirchengemeinde Walldorf als Besitzer der Hüttenkirche gegen den Vollzug der Verfügung, dass die Hütten eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellten, geklagt. Im besonderen Fall der Hüttenkirche gab ihnen das angerufene Verwaltungsgericht recht. Das Eigentum der Walldorfer Kirchengemeinde durfte weiter betreten werden. Auf dieser rechtlichen Grundlage gab es dann am Mittwoch eine Übereinkunft mit dem Grundeigentümer Flughafen AG, dass die Hüttenkirche demontiert und per Laster zum Bauhof in Walldorf gefahren werden durfte.

Wir Ex-Bewohnerinnen campieren und stehen vorm Zaun und einige füllen Exkremente aus der Grube unter der umgelegten Latrinenanlage in Plastiktüten. Wer das abkriegt, wird sich richtig sch… fühlen ---- und wohl auch sch….. verhalten.

weiter im Text:
Auch der Bauwagen der Darmstädter wird niedergemacht. Bedrohlich wird die Situation, als sich die Zerstörung des „Kuckucksnests“ abzeichnet, die Stimmung sich hochschaukelt und ein Wasserwerfer auffährt. Es war aber nix.

Am Abend gab es überall Angriffe auf die Stacheldrahtfestung.
Bei einem Polizeiausfall flüchten wir ziemlich panisch in den Wald in eine dichte Fichtenschonung – dort ist aber schon wer. Es ist nicht so ganz klar, wer sich mehr erschreckt hat – das Damwild, das glaubte , hier Schutz gefunden zu haben, oder wir. Die Tiere brechen nach Süden aus…

Ich laufe entlang der neuen Absperrung am Grenzweg und will mein Fahrrad abholen, das durch das Vorrücken der Polizei in deren Besitz gefallen ist. Ich gebe den Polizisten die Nummer des Zahlenschlosses an : „Ja, stimmt“ und bekomme das Fahrrad dann herübergereicht. Es ist über zugerichtet: Schlauch und Mantel zerstochen, unbrauchbar, der starke Holm vom Gepäckträger total durchgebogen. Jetzt muss ich meine Annahme, die Polizei würde zwar keine Menschen, aber das heilige Eigentum beschützen, revidieren.

Ich hänge ein Schild „Von der Polizei zerstört“ an das zerbeulte Vorderrad und begrabe meine Pläne nach Walldorf oder nach Hause zu fahren. Aus dem Wald schmeissen kleine Grüppchen Jugendlicher Knüppelchen auf Draht und Wasserwerfer und geraten, flüchtend, unter eiskalten Wasserbeschuss.

Es zeichnet sich ab, dass am nächsten Tag auch das Waldstück zwischen Mittelschneise, Faularmschneise, Grenzweg und Mönchbruchallee abgeriegelt werden soll. Ich beschliesse, im Wald zu übernachten.

Ende des Berichts.

Was danach kam: Am nächsten Tag wurde das gesamte für das Baulos eins benötigte Gelände abgeriegelt. Wir waren so wenige und auch ohne Öffentlichkeit, dass wir auf Aktion verzichteten. Es begann der Bau eines zweiten Hüttendorfs ausserhalb der Absperrung an der Ochsenlagerschneise. Die Fläche ist ausserhalb der Startbahn und auch heute noch zu besuchen. Ich lief und fuhr endlich nach Hause – darüber dass sich die Familie Sorgen machte, hatte ich mir gar keine Gedanken gemacht. Bald ging es mit Werkzeug wieder raus und am Freitag, den 6.11, bei der Nachtwache am neuen Hüttendorf um 4.15 gleich in die nächste Räumung. Vor der erwarteten Grossdemo am Samstag wollte die Polizei keine Infrastruktur im Wald. Den Tag verbrachte ich in Ingewahrsamnahme in einem fensterlosen Container auf dem Hapag Lloyd Gelände.
Nach dem Nacktensamstag war der Elan im Wald gebrochen.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/die-raeumung-des-huettendorfs-gegen-die-startbahn-west-zweiter-teil/feed/
Morgen Sonntagsdemo gegen die A 49 im Maulbach bei Homberg/ Ohm http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/morgen-sonntagsdemo-gegen-die-a-49-im-maulbach-bei-homberg-ohm/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/morgen-sonntagsdemo-gegen-die-a-49-im-maulbach-bei-homberg-ohm/#comments Sat, 06 Nov 2021 15:47:18 +0000 Administrator Über den Tellerrand http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/morgen-sonntagsdemo-gegen-die-a-49-im-maulbach-bei-homberg-ohm/ Morgen , Sonntag den 7.11. 2021 , lädt das Aktionsbündnis gegen den Bau der A 49 zu einem Trassenspaziergang in Maulbach ein. Treff ist um 14 Uhr am Sportplatz. Dabei soll der Baufortschritt und mit ihm die krasse Veränderung der Landschaft in Augenschein genommen werden. Besucht wird auch der durchschnittene Maulbacher Wald, wo es weiter Abstandsfällungen und Baumbeschneidungen gegeben hat.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/morgen-sonntagsdemo-gegen-die-a-49-im-maulbach-bei-homberg-ohm/feed/
November 1981: Wenn sie uns den Wald wegnehmen, werden wir ganz Frankfurt lähmen ! http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/november-1981-wenn-sie-uns-den-wald-wegnehmen-werden-wir-ganz-frankfurt-laehmen/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/november-1981-wenn-sie-uns-den-wald-wegnehmen-werden-wir-ganz-frankfurt-laehmen/#comments Sat, 06 Nov 2021 13:28:23 +0000 Administrator Allgemein http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/november-1981-wenn-sie-uns-den-wald-wegnehmen-werden-wir-ganz-frankfurt-laehmen/ Es ist Montagnachmittag, der 2.11.1981. Über dem Uni-Campus in Bockenheim schwebt ein Hubschrauber. Aus der Luft beobachtet die Polizei, wie sich eine Menschenmenge formiert und sich auf der Grossen Bockenheimer begibt: Protest ! Das Hüttendorf ist geräumt ! Erst sind es nur ca. 500 Menschen, die Richtung Innenstadt loslaufen – aber es werden minütlich mehr….

Es ist der Frankfurter Asta, der bei dieser Spontandemo und den folgenden Grossdemos in Frankfurt sowohl die technische Ausrüstung als auch das organisatorisch-politische Know-How stellt. Immer vornedran: Der Lautsprecherwagen mit Lauti: „Hopp-Hopp-Startbahn Stopp!!!“ als auch Musikanlage. Die Verstärkeranlage gibt ihr Äusserstes. Immer wieder werden jaulende Geräusche von Motorsägen abgespielt, um das Geschehen vom Wald in die Stadt zu tragen. Aber natürlich auch motivierende Songs . Hätte es eine Hitparade der Demomusik gegeben, sie hätte in etwa aussehen können:

Platz 3: „Spirits in the material world“ von The police

Platz 2: „Die letzte Schlacht gewinnen wir “ von Ton Steine Scherben

Platz 1: „Ein Jahr- Es geht voran“ von Fehlfarben. Das war DER Demosong , bis die Friedensbewegung manches weichspülte….

Die Demos, die von der Uni kamen, wendeten sich entweder über die Messe Richtung Hauptbahnhof oder über die Grosse Bockenheimer Richtung City. Diesmal geht es auf die grosse Bockenheimer, die einst die Stadt mit dem Dorf Bockenheim verband. In der Innenstadt angekommen, gibt es einige Zwischenkundgebungen und Strassenblockaden, welche meist aufgelöst werden, wenn die Polizei auffährt. Allgemein gilt: 17 Uhr Treffpunkt Paulsplatz.
Dort trifft der Demozug auf eine bereits wartende Menschenmenge, zusammen sind wir jetzt 5000 Köpfe stark, eine eindrucksvolle und von der Polizei nur schwer zu kontrollierende Menge. Um viertel nach fünf geht es über die Hauptwache und die Taunusstrasse Richtung Hauptbahnhof, wo die Abschlusskundgebung geplant ist.

Dort berichten einige WaldbewohnerInnen , die nachmittags in die Stadt gekommen sind, von den Vorgängen im Wald. Die Frankfurter Rundschau schreibt:

Mehrere ehemalige Hüttenbewohner berichten über ihre Erfahrungen am Montagmorgen anlässlich der Räumung des Dorfes. Eine junge Frau berichtete: Die Polizei knüppelt auf Alte und Junge ein, die Situation ist äusserst brutal. Ich habe bis 15 Uhr gesehen, dass mindestens 15 Verletzte abtransportiert wurden“ es sei notwendig, dass möglichst viele Leute sich in den nächsten Stunden und Tagen im Wald aufhielten. Wir müssen viel wütender, viel saurer sein“.

Eine ältere ehemalige Hüttenbewohnerin meinte mit tränenerstickter Stimme: „Wo ist hier das Recht, wo ist hir die Freiheit ? Sie wird niedergetrampelt.“


Nach dem Eindruck der ReporterInnen der Frankfurter Rundschau sind es die Beiträge der HüttendörflerInnen, welche die Menge emotionalisieren und der Empörung dann auch ein Ziel geben: Den Hauptbahnhof :

Schliesslich fordert ein junger Mann, der sich auch als Hüttendorfbewohner zu erkennen gab, dazu auf, den Hauptbahnhof zu stürmen und sich auf die Gleise zu setzen. „Dann läuft hier nichts mehr in der nächsten Stunde“.

Von einer solchen Spontanaktion ist die Polizei überrumpelt. die DemonstrantInnen überrennen förmlich den Alltagsbetrieb- und bringen ihn zum Erliegen. Selbst mit ihren Schlagstöcken ist die Bahnpolizei machtlos- bei der Übermacht der Demonstranten wäre das Zücken der Stöcke letztlich selbstgefährdend.

Die Rundschau schreibt :

Die etwa 3000 Demonstranten rannten daher unter gellenden Pfiffen und Gejohle in den Hauptbahnhof hinein. Einige hundert stürmten auf die Bahnsteige und setzten sich auf die Gleise.

Ziel der Aktion sind die Fernbahngleise zwischen 6 und 9. Auf Gleis 6 wird ein Schnellzug blockiert. Ein erster Räumungsversuch der Polizei scheitert, weil ständig DemonstrantInnen nachrücken. Auch die S-Bahn zur Hauptwache im Tunnel steht. Schliesslich räumt die Polizei nach dem Eintreffen von Verstärkungen kurz vor 20 Uhr die Gleise. Jetzt kommt es zu zahlreichen Prügelszenen. Im Gegenzug werden zahlreiche Gepäckkarren in die Gleise geworfen. Ein Zug rollt unter lautem Pfeifen auf eine Blockadegruppe zu, bevor er dann doch stoppt. Durch den Bahnhof wehen Schwaden von Tränengas. Haben zuvor die Demonstrierenden den Bahnhof blockiert, tut das jetzt die Polizei: Am Querbahnsteig hat sie eine lange Polizeikette aufgezogen, um eine Wiederbesetzung zu verhindern.

Doch die Demonstration ist bereits weitergezogen. Nächstes Ziel ist die alte Oper, in Mundpropaganda wird verbreitet, dort sei etwas los. Ist es zwar nicht, aber nach dem Aufruf wird das bald anders aussehen.

Die wiederaufgebaute alte Oper steht für die Demonstrierenden für die Restauration eines überwunden geglaubten Gesellschaftsmodell. In einer feinfühligen Reportage schreibt die Rundschau:

„..dass aber das 180 Millionen-Haus e i n e Station ihres nächtlichen Aufmarschs werden würde, das war so sicher wie das Kreischen der Sägen, wenn für die Startbahn ein ganzer Wald fällt. Jetzt aber, da die Demonstranten zunächst nur stehen und sich sammeln vor der hellerleuchteten Fassade, bricht sich die Wirklichkeit dort auf eine so radikale Weise, dass es rückblickend wie ein Wunder erscheint, wenn die Stimmung nicht explodiert.“

Kulturmanager Ulrich Schwab und der auch anwesende Konzertveranstalter Fritz Rau fürchten derweil, ob der zweite für diesen Abend angesetzte Auftritt stattfinden kann. Die Rundschau schreibt weiter:

„Denn drinnen im Saale soll die Rockgruppe „Santana“ spielen. Pausenlos wehen deshalb an den Protestgruppen auf dem Vorplatz die Popper und die Altrocker im neuesten Schick vorbei; in ihrer Konsum-Haltung durch die Demonstranten nicht einmal nachhaltig irritiert. In totaler Verkennung der Protestlage bietet eine Frau dem ehemaligen Studentenführer Daniel Cohn-Bendit für 25 Mark sogar schnell noch eine „Santana“-Karte an. „

Obwohl einige DemonstrantInnen eingesickert sind, und die 500 vor der Tür blockadewillig sind, kommt es nicht zum Clash. Um die Situation zu befrieden, bieten Schwab und Rau Sprecherinnen der DemonstrantInnen an, auf der Bühne eine Statement abzugeben. Die gehen darauf ein. Es verhallt ziemlich wirkungslos. Fritz Rau setzt nach Angaben der Rundschau noch nach, dass die berichtenden DemonstrantInnen nicht eingeladen gewesen seien, sondern sich den Zugang regelwidrig verschafft hätten.
Fritz Rau wird anderthalb Jahre später den Kulturpart des Bundestagswahlkampfs der Partei “ Die Grünen“ organisieren.

Die Menge zieht weiter – und es gibt weitere Auseinandersetzungen . Auch wenn alle, die an den Frankfurt-Demos teilnehmen wissen, dass es mit fortschreitendem Abend immer gefährlicher wird. So auch am Folgetag in der Rohrbachstrasse. Montagnacht fliegen Steine auf Scheiben und Polizei, die antwortet mit Knüppeln und Tränengas. In Höhe Börse will ein Autofahrer, der in dem Demozug steckengeblieben ist, nicht länger warten und beschleunigt in die Menge. Darauf wird die Heckscheibe entglast, und die Polizei nimmt es zum Anlass für einen Ausfall in die Menge. Einige Demonstrierende flüchten in den Hof des Rundschau-Hauses und werden dort verdroschen – die Zeitung kann also vor-Ort berichten….

In Frankfurt kommt es in der ersten Novemberwoche zu zahlreichen Brand- und auch Rohrbombenanschlägen. Wer hier die angespannte Situation ausnutzen und auch beeinflussen will, ist auch im Rückblick nicht klar. Was sollte die nächtliche Sprengung einer Telefonzelle am Hauptbahnhof oder ein Molli auf das österreichische Konsulat bewirken ? Klarer ist dies beim Brandanschlag auf eine Deutsche Bank- Filiale und eine Flugsicherungsanlage im Frankfurter Stadtwald. Sie verursachte 400.000 Mark Sachschaden und legte für eine Woche das Instrumentenanflugsystem des Flughafens teilweise lahm.

Teile des Establishments betrachteten die demonstrative Aneignung der Strasse in Frankfurt nach der Hüttendorfräumung als Bedrohung und forderten die Bürgerinitiativbewegung auf, sich von den radikaleren Teilen der Bewegung zu distanzieren.

So kommentierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Beitrag „Das Mass ist voll“ :

„Die dumpfe Spannung über der Stadt zum Feierabend drückt aus, was die arbeitende Bevölkerung bewegt: Werden wieder kriminelle Krawallmacher das Heimfahren erschweren ? Werden wieder die Scheiben an Autos eingeschlagen ? Was ist wohl heute los ?……In diesen Tagen des irrwitzigen Protests ist die schweigende Mehgrheit auf der Hut vor der auf dem Markt ausgetragenen Meinungsfreiheit.
Die Gewalttätigkeiten haben längst nichts mehr mit Protest gegen die Startbahn West zu tun. Sie werden von einem übermütigen Pöbel vollbracht, der schon in der Vergangenheit bewiesen hat, dass er es versteht, sich an der formalen Grenze des Demonstrationsstrafrechts juristisch ausgeklügelt zu bewegen und unter diesem Tarnmantel Scheusslichkeiten zu begehen…..

Was derzeit auf Frankfurts Strassen geschieht, ist nackter Demonstrationsterror, aus dem Hintergrund gesteuert von Kräften, die das demokratische System und die Gesellschaft verändern wollen.“

Interessant ist gerade bei der sonst recht polemischen Wortwahl der letzte Satz . Hier wurde nicht „zerstören“ sondern „verändern“ geschrieben, was die Beschriebenen vermutlich sofort unterschreiben würden.
Zum Ende der Woche ebbten die Demonstration, die täglich über 5000 Menschen auf die Beine brachten, merklich ab. In ihrer Intensität und auch angesichts des Kräfteverschleisses waren sie nicht mehr aufrecht zu erhalten. Nach der Spontanempörung ging an eine Auswertung und Bestandsaufnahme des Geschehenen.

Die Uni und mit ihr die Szene um die Zeitung „Pflasterstrand“ war in Manchem ein Ausgangspunkt der städtischen Proteste. Nicht nur der Demos. Hier war der Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung und eine Kritik der Verhältnisse besonders ausgeprägt. Dass gerade die Startbahnauseinandersetzung einen – lange herbeigewünschten- Protestschub und eine Herausforderung des Machtapparats liefern wurde, hatten dort nur wenige erwartet .
An der Frankfurter Uni wurde noch Jahre später folgende , wahrscheinlich etwas ausgeschmückte, Story erzählt:

Ein Seminarraum über der neuen Mensa. Es ist eine Viertelstunde nach Seminarbeginn. Alles ist still, ausser dem Polizei-Heli über dem Gelände. Der Raum ist leer, bis auf einen Professor und einen einzelnen Studenten. Der gilt unter den KommilitonInnen als besonderer Streber und blickt jetzt den Professor erwartungsvoll an, dass der doch endlich anfängt. Der räuspert sich und sagt: „Wollen sie nicht langsam auch gehen ? Ich kann doch erst auf die Demo, wenn alle Studenten raus sind.“

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/06/november-1981-wenn-sie-uns-den-wald-wegnehmen-werden-wir-ganz-frankfurt-laehmen/feed/
Vor vierzig Jahren: Räumung des Hüttendorfs gegen die Startbahn West http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/04/vor-vierzig-jahren-raeumung-des-huettendorfs-gegen-die-startbahn-west/ http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/04/vor-vierzig-jahren-raeumung-des-huettendorfs-gegen-die-startbahn-west/#comments Thu, 04 Nov 2021 10:21:51 +0000 Administrator Flughafen & Region Geschichte http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/04/vor-vierzig-jahren-raeumung-des-huettendorfs-gegen-die-startbahn-west/ Am Montag, den 2.11.1981 räumte und besetzte die Polizei das Hüttendorf im Flörsheimer Wald. Im Gegensatz zu der Räumungsaktion im Oktober spielte sich diesmal das Haupt-Protestgeschehen im ganzen Rhein Main Gebiet- und weit darüber hinaus statt. Hier ein Bericht von den Räumungstagen, der kurz nach der Aktion aufgeschrieben wurde.

Sonntag, 1.11.1981

Ein ziemlich normaler Hüttendorfsonntag. Am Nachmittag gibt es ein paar Scharmützel an der Mauer, Eigentlich besteht sie aus zwei Mauerlinien, zwischen denen die verlegte Okrifteler Strasse läuft. Hinter der zweiten Mauer und dem alten Flughafengelände laufen die ersten Bauarbeiten für den Tunnel.
Es ist so wenig los dass ich beschliesse, nach Hause zu radeln und eine Mütze Schlaf nachzuholen.

Keine gute Idee. Zu dieser Zeit kursierten -vielen unbekannt- schon Räumungsszenarien für Dienstag, den 3.11. Diese sollen durch Indiskretitionen rausgesickert sein und standen z.B. in der Bild Zeitung vom Montag. Später kursierten verschiedener Gerüchte. Einige BI-Leute hätten Kenntnisse gehabt ,aber nicht weitergegeben, weil sie keine Verteidigungsschlacht um das Hüttendorf haben wollten. Die Polizei hätte bei Bäckereien, die der Startbahnbewegung verbunden waren, grosse Mengen Brötchen bestellt. Es gab die Erklärung, niemand hätte geglaubt, dass Montag geräumt wird weil die Bürgerinitiative in Wiesbaden eine Pressekonferenz zur Begründung des Gesetzesentwurfs für das Volksbegehren abhalten wollte.
Es kursiert auch die Story, Innenminister Gries hätte vor einem Journalisten nach einem Pressetermin an der Bar leicht besäuselt den Räumungstermin ausgeplaudert, dies sei der BI ohne Resonanz weitergemeldet worden.
Es lässt sich sagen, dass die Strukturen der BI -Vollversammlung, Ortsgruppen-Delegiertenversammlung und Sprecherrat .- unter der Dauerbelastung nicht mehr so gut verzahnten und funktionierten. Es gab – ausser der Telefonkette – keinen klaren Plan und kein Verteidigungskonzept für die Räumung. Entsprechend defensiv und spontan lief es dann ab.

Auf dem Rückweg vom Dorf hole ich mir einen Platten und muss das Fahrrad vier Kilometer schieben. Zuhause geht es unter die warme Dusche,

Montag, 2.11.1981

Aus dem Bericht:

Um 10 Uhr war ich gerade aufgestanden. Da klingelte das Telefon und ich erfahre, dass das Hüttendorf um halb neun geräumt worden ist. Ich will es erst gar nicht glauben. Dann fahre ich aber doch zu meiner ehemaligen Schule um noch Leute zu „agitieren“. Das war meine Aufgabe in der Telefonkette.

Das erweist sich aber als völliger Fehlschlag, denn die Nachricht reisst im Aufenthaltsraum im wahrsten Sinne des Wortes niemanden vom Stuhl.
Verfolgt von dem wutschnaubenden Hausmeister, der meine schnell gefertigten Plakate bereits wieder abgerissen hat, mache ich mich dünne und alleine auf den Weg Richtung Hüttendorf.

Hinter Walldorf überhole ich den immer dichter werdenden Pulk von Demonstranten, die das gleiche Ziel haben. Am Dorf angekommen, packt mich die Wut Die Polizei hat unser Dorf besetzt und benutzt den Absperrwall, den wir zur Dorfverteidigung geschaufelt haben, für ihre Zwecke und spart damit mindestens die Hälfte an Beamten ein.
Wie ein gereizter Stier renne ich auf den Eingang los, als jedoch ein Polizist die chemische Keule zieht, kehre ich lieber um als mich verheizen zu lassen.
Die nächste Zeit stehe ich wie die vielen anderen vor dem Wall und erfahre langsam Einzelheiten von dem Polizeiüberfall. Die Räumung war blitzartig und mit nur zwei Hundertschaften erfolgt. Als die Alarmsirene im Turm eingeschaltet wurde, war die Polizei bereits am Dorfeingang und manche Leute räkelten sich noch verschlafen auf den Matratzen als die Polizisten die Hütten stürmten Auch die Baumhäuser wurden im Handstreich genommen. Es waren armselige 60 Personen, die auf irgendeinen Widerstand verzichteten Sie waren ja auch- ohne Öffentlichkeit- völlig der Polizei ausgeliefert. Unser Vorwarnsystem, die vielgerühmte Telefonkette, hatte absolut versagt. Waren die Telefone abgestellt ?

Ich war unheimlich sauer. Das irgendwann einmal geräumt werden würde war mir ja klar. Aber das es so billig über die Bühne gehen könnte, wollte ich nicht wahrhaben. Ich hatte mir immer vorgestellt, dass wir unser Fell so teuer wie möglich verkaufen würden und eine Räumungsshow „a la Gorleben“ inszenieren könnten.

Nun lag das noch fast unversehrte Dorf in der Sonne, einige Polizisten räkelten sich auf unseren Bänken. Andere warfen Scheiben ein . Ich stand einen Steinwurf von meiner Hütte entfernt, in der noch meine Habseligkeiten lagerten, und konnte nicht hin.

Die Stimmung am Wall wurde noch aggressiver, die Polizisten wurden angemacht. Besonders zeichneten sich dabei die „Vorzeige-Opas und Omas“ aus, die besonders energisch auf die jungen Polizisten und Bundesgrenzschützer einsprachen („Meinem Enkel würde ich nie erlauben, zur Polizei zu gehen e.t.c“)

Dann begann die Polizei Nato-Draht hinter den Wall zu legen um ein Überqueren vollends unmöglich zu machen. Um dies zu behindern setzte ich mich auf den Erdwall. Ehe ich mich versah war ich von Polizisten hinter die Absperrung gezogen und wurde im Polizeigriff ( Hände auf den Rücken verdreht) abgeführt. Einige im Dorf verbliebene Leute sahen das. Christel erhob Einspruch und ich durfte auf ihren Einspruch dann „normal“ aus dem Dorf heraus gehen. Sie war noch im Dorf als Kontakt für Alex, der auf einem Baum sass und gedroht hatte, er würde herunterspringen. Aber davon wusste ich an diesem Tag noch nichts.

Nachmittags, inzwischen umringten einige Tausend Demonstranten das besetzte Besetzerdorf, kam es an der Westseite zu den ersten Ausfällen der Polizei, die den Stacheldraht durchschnitt und mit Schlägertrupps (ohne Schild, mit 1-Meter-Holzknüppel) in die Menge preschte. Sie schlugen auf alles ein, was sich nicht schnell genug bewegte und wegrennen konnte: Sanitäter, Reporter, Omas, junge Frauen e.t.c. . Es waren ganz üble Szenen dabei. An diesem Tag gab es mindestens 20 schwerverletzte Demonstranten, aber keinen verletzten Polizisten.

Als es dunkel wurde, besetzten wir die Mittelschneise. Es zeichnete sich nämlich ab, dass die Polizei den Weg zur Durchfahrt ihrer Baufahrzeuge räumen wollte. Nach einer Weile fuhr ein Wasserwerfer vor und es gab die üblichen drei Aufforderungen das Gelände in südlicher Richtung zu verlassen. Wir machten eine Sitzblockade und ich verkroch mich mit Ulrike unter eine grosse Regenplane. So konnten uns die stossweise erfolgenden Wasserspritzer recht wenig anhaben und wir hielten auch durch als dem Wasser CN Gas (säurehaltig) beigemischt wurde. Auf einmal ertönten hinter uns laute Schreie und wir rannten wie die Hasen. Hinter unserem Rücken hatte ein Polizeikommando den Stacheldraht durchschnitten und drosch auf die sitzenden Leute ein. Manche Leute, die von den Sanitätern weggetragen wurden, sahen sehr über aus ( geplatzte Kopfhaut u.ä.)
Trotz allem bewahrten die Demonstranten eine Disziplin, die mich sehr gewundert hat. Es flogen nur sehr wenige Knüppel über den Zaun (auch ein paar Flaschen). Manche flogen mehrmals, weil sie von Polizisten zurückgeworfen wurden.

]]>
http://waldbesetzung.blogsport.de/2021/11/04/vor-vierzig-jahren-raeumung-des-huettendorfs-gegen-die-startbahn-west/feed/